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Schubladen und Guns & the City

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Perock
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Re: Schubladen

Beitragvon Perock » Do 8. Mär 2018, 18:59

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Sanity
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Re: Schubladen

Beitragvon Sanity » Fr 9. Mär 2018, 09:04

cas81 hat geschrieben: ...also ja bitte, mach nur, bin schon gespannt. Bitte nur nicht vergessen, dass es schlussendlich darum geht, wie sich die Leute am Stand verhalten...


Merci. Dann halt ich mich mal an die Threadvorgabe, aber mach draus eine Kurzgeschichte.

Die Geschichte heisst:

Der Mönch

Du stehst allein am 100m Meter Stand. Ganz allein, niemand rechts neben Dir, niemand links von Dir. Das Wetter ist gut, die Sicht ist klar und im Radio habens grad gesagt, dass die Grünen die Wahl verloren haben, ach wie ist das Leben schön.
Du öffnest mit einem selbstzufriedenen Grinser den neuen Gewehrkoffer. Wüstentaugliches Military High Grade Polymer, wasserdicht bis runter zum Meeresgrund am Mariannengraben, säurebeständig, mit elektronischem Fingerabdrucksensor gesichert – der Schließmechanismus ist natürlich solarbetrieben. Es könnte ja sein, dass einem in der Apokalypse mal die Batterien ausgehen.
Es war das allerletzte vorrätige Exemplar in grauem Camouflage.

Und nun gehört es Dir.

Du grinst nicht nur deshalb, weil Du jetzt der stolze Besitzer dieses geilen neuen Koffers bist, sondern eigentlich grinst Du, weil Du diesen Koffer einem armen Koffer, der neben Dir beim Austrian Arms vorm Kofferregal gestanden hat, im letzten Moment vor der Nase weggeschnappt hast.
Das war ja vielleicht ein komischer Typ, wie der so neben Dir vorm Regal gestanden hat, und Dir fällt ein, Du hattest ihn vorher schonmal gesehen. Er ist Dir schon einmal unangenehm aufgefallen, letztens vorm Schießplatz, als er sich vor Dir mit seinem Micra Mouse Tretauto einparken wollte. Da hast Du ihn mit Deinem geleasten Hyundai SUV gleich mal geschnitten und Dich schnell schräg über die letzten beiden Parkplätze gestellt.
Weil solche überheblichen besserwisserischen Ökoschwuhuchteln mit ihren achso benzinsparenden Guhutmenschenkarren haben hier beim Schießstand nämlich nichts verloren.
„Soll er sich seinen Parkplatz doch irgendwo im Waldviertel suchen, und am Weg dorthin meinetwegen ein paar Avocados abschälen.“

Und 4 Tage später, also heute, stand der Typ neben Dir vorm Regal im Waffengeschäft. In ungebleichten Leinenhosen, die Haare zu Dreadlocks zusammengefilzt, genauso wie die ökologische Schafschurwolle der Patschen, in denen seine Füsse steckten. Ein seltsamer Geselle, die Augen halb geschlossen, in sich gekehrt. So stand er regungslos da, mitten im Waffenladen, und es roch plötzlich nicht mehr nach Ballistol, sondern wie in diesem indischen Lebensmittelgeschäft, in das man zwar aus Prinzip nicht reingeht, sich aber hin und wieder dann doch hineinverirrt, weil es der einzige Laden ist, der noch offen hat, falls einem nach Mitternacht einfällt, dass im Kühlschrank das Bier fehlt.
Irgendetwas war jedenfalls nicht normal an dem Kerl. Also hast Du Dir schnell den letzten Waffenkoffer aus dem Regal geschnappt, und diesen Bobo am Weg zur Kassa „versehentlich“ ein bissl angerempelt, damit er weiß wo er hingehört.
Und nicht mal da hat er sich bewegt, oder auch nur mit dem Zucken einer Wimper reagiert.
Aber das kann Dir egal sein, denn nichts kann Dir heute den Tag am Schiessstand versauen, schon gar nicht so ein blöder Ökofreak.

Und nun stehst Du endlich am Schießstand, öffnest also Deinen Waffenkoffer, und als Du Dein Gewehr siehst, freust Du Dich wie ein kleines Kind über die neue Pulverbeschichtung, die Du Dir vom Osterhasen gönnen hast lassen.
Du montierst das Zubehör, Tactical Light, Laserpunkt, Optik, Popcornmaschine, Würstelgriller und Kondomautomat auf Dein AR15.

Du gehst in den Anschlag, zielst, und willst den ersten Schuss abgeben. Doch plötzlich spürst Du etwas ungewohntes, links von Dir.
Es fühlt sich an, wie ein ganz zarter warmer Wind, der Dich jedoch gleichzeitig frösteln lässt. Und ein leichter Geruch von Patchouli und Jasminblüten steigt in Deine Nase.

Deine Augen wandern nach links, und da steht er wieder. Dieser Guhutmensch, diese Ökoschwuhuchtel, der mutmaßliche Bobo Herätiker.

„Wieso habe ich es nicht bemerkt, als er hier reinkam ?“, fragst Du Dich. „Ich hab ihn gar nicht kommen hören. Normalerweise hör ich jeden der durch diese kaputte Tür kommt. Oder hat der Standbetreiber die endlich reparieren lassen ? Normalerweise verreissts mich jedesmal bei der Schussabgabe wenn da einer durchgeht. Die macht doch sonst so einen Lärm, dass man den automatischen Gehörschutz gar nicht drauf einstellen kann...“
Aber nein, die Tür ist immer noch kaputt. Als Du vorhin den Stand betreten hast, hat die Türe doch auch ihr übliches Ächzen von sich gegeben.

Du schielst weiter rüber. Der Typ mit der Schlabberhose legt ein zusammengerolltes Päckchen aus Jute vor sich hin. Das Päckchen ist mit einer weinroten Kordel zusammengebunden, im Stoff sind Sanskritbuchstaben eingestickt.

„Haben diese Schriftzeichen grad eben geleuchtet ? Nein, das kann doch wohl nicht sein, das war vermutlich nur eine Lichtreflektion.“
Der Jutekerl öffnet die Kordel und rollt das Päckchen auf, und zum Vorschein kommt eine Margolin .22lr ältester Generation, sowie ein einzelnes Magazin. Das Magazin dürfte geladen sein, denn Du siehst sonst keine weiteren Patronen, und der Typ neben Dir trägt auch sonst nichts bei sich, seine Kleidung verfügt über keinerlei Taschen.

Er steckt das Magazin in die Waffe.

„Dieser eingebildete aufgeblasene arrogante Schei**kerl mit seiner alten Margolin.“, denkst Du Dir.
„Der bildet sich wohl ein, ich hätte einen kleinen Schwanz weil ich mit dem aufgemotzen AR15 neben ihm steh. - Ausserdem was will der hier mit seiner Kinderknarre am 100m Gewehrstand ?“

Der Typ neben Dir lädt durch. Und obwohl er zuvor schon kaum geatmet hat, entschleunigt sich seine Atmung nun noch mehr, soweit, bis er bei etwa 2 Atemzüge pro Minute angelangt ist. Und es ist nicht nur sein Atem der plötzlich ganz flach wird. Als er die Waffe mit einer Hand in Richtung der Scheibe streckt, scheint plötzlich alles rundherum zu verstummen.
Die Vögel, die vorhin noch gezwitschert haben, sind nun still, und man spürt den Wind nicht mehr. Kein einziges Blatt das raschelt, und selbst der entfernte Verkehrslärm der nahen Autobahn versiegt. Er schließt die Augen, und plötzlich hörst Du ein ganz leises Summen aus seinem Kehlkopf. Ohne Zwischenatmung wird das Summen stärker, und es lässt Dich vergessen, dass Du grad eben noch einen Schuss abgeben wolltest. Zu dem Summen gesellt sich im Quintenabstand eine zweite Stimme dazu, die auch aus seinem Kehlkopf zu kommen scheint.
Kurze Zeit später ist das Summen überall. Nun beginnen sich auch die Blätter der Bäume wieder zu bewegen, zuerst unmerklich, dann stärker, und es scheint, als würden sie mit ihrem Rauschen in das Summen einsteigen, und auch die Vögel beginnen, sich wieder zu bewegen, und stimmen mit dem Schlag ihrer Flügel in den Gesang ein. Der Typ neben Dir fährt mit der ausgestreckten Hand weiter nach oben, und beugt seinen Oberkörper leicht zurück, um den Schwerpunkt des Körpers nach hinten zu verlagern, und das Summen wird lauter. Deine Pappn steht halb offen, als Du bemerkst, dass sich die Fußsohlen des Mannes vom Boden auf dem er stand losgelöst haben. In einem Abstand von 5 Zentimetern levitiert er nun über dem Boden, und mit weiterhin geschlossenen Augen gibt er den ersten Schuss ab.
Und im Bruchteil der nächsten Sekunde folgt der zweite und weitere Schüsse.
Innerhalb von 2 Sekunden hat er das 10 schüssige Magazin leer gemacht.

Zumindest sollte er es leergeschossen haben, doch die Schüsse knallen weiter, 30 Sekunden lang.
„Das kann doch nicht sein, er hat nicht ein einziges Mal nachgeladen.“

Du siehst durch Dein Zielfernrohr. Dort, in hundert Meter Entfernung, wo auf seiner vorhin unversehrten Scheibe der Zehner war, befindet sich nun ein einziges, münzgrosses Loch.

Nun schlägt Dein Staunen in Panik um.
Du packst Dein AR-15 zurück in die Tasche, und stürmst aus dem Schießstand raus. Du wirfst Dein Zeug in den Kofferraum Deines SUVs und gibst Gas, Deine Reifen quietschen.

Du rauschst durch den Radar, nimmst die Auffahrt zur Autobahn, und überlegst Dir, ob Du bei der Raststation stehenbleiben sollst, weil Du fühlst Dich plötzlich nicht so gut.
Deine Handflächen schwitzen und irgendetwas ist mit der Luft hier im Auto. Dir ist warm und es wird wärmer und wärmer.
Du schaltest das Autoradio ein, weil vielleicht hats ja was mit dem Wetter.
Du hörst, wie die Nachrichtensprecherin sagt, dass die Grünen die Wahl doch nicht verloren haben, weil es Unregelmäßigkeiten in der Auszählung der Wählerstimmen gab.

Es wird immer heißer hier drin in Deinem SUV. Und plötzlich riecht es seltsam. Es riecht nach der Küche des indischen Restaurants in Deiner Straße, das täglich über einen Ventilator seine Abluft in den Lichthof bläst, dort wo Du immer den Müll rausbringst. Und der Geruch wird stärker und verbeißt sich in Deiner Nase.
Im Radio bringen sie nun eine Sendung über den Russen Margolin, den blinden Erfinder der berühmten .22lr Sportpistole.

Du bekommst kaum noch Luft. Du schaltest auf einen anderen Sender um, und dort hält der Dalai Lama eine Ansprache zum Weltfrieden.
Du versuchst, das Fenster zu öffnen, doch die Elektrik Deiner Scheibenheber funktioniert nicht.

Du willst das Radio abschalten, doch es lässt sich nicht mehr abdrehen.

Das Summen der tibetanischen Mönche nimmst Du kaum noch wahr, als sich neben Dir der Beifahrersitz entzündet.
Alles wird gut.

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Re: Schubladen

Beitragvon cas81 » Fr 9. Mär 2018, 13:00

Karma, Baby, Karma!

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Re: Schubladen

Beitragvon Sanity » Sa 10. Mär 2018, 19:03

cas81 hat geschrieben:Karma, Baby, Karma!



Alles wird gut.

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Re: Schubladen

Beitragvon cas81 » Di 13. Mär 2018, 11:21

Die Gunkalypse

Wir schreiben das Jahr 2029. Regierung und Nationalrat sitzen seit Jahren gemeinsam pfeiferauchend im Schaukelstuhl und lassen die meisten Angelegenheiten im Sinne direkter Demokratie durch das Volk entscheiden. So kam es auch, dass Waffen für den Normalbürger weitestgehend verboten wurden, stattdessen wurde das Unwort „Gun- Privilege“ auf Pulverdampf in der Just for Fun- Kategorie zum Wort des Jahres 2024 gewählt. Denn zur Verwunderung der *Waffen für Alle!*- Bewegung kam es in Österreich nie zu einem Anschlag oder desgleichen, somit sah das Volk keine Notwendigkeit, Waffen in privaten Haushalten zum Selbstschutz besitzen zu dürfen. „Ausserdem können weniger Waffen keinesfalls eine Gefahr darstellen, nur umgekehrt ist das möglich“; Um diesen Gedankengang zu unterstützen, hat der ORF1 im Hauptabendprogramm am Vortag zur Volksabstimmung den Klassiker *Blue Steel* gezeigt.

Nunmehr freut sich die Industrie noch immer über das anfallende Altmetall. Die Sportschützen, erhobenen Hauptes, da sie zu den Priviligierten zählen, welche eine Glock mit 10- schüssigem Magazin und ein AR15 besitzen dürfen, freuen sich noch mehr. Weil die sind nun „glücklich davongekommen“. Den Jägern war eh klar, dass ihnen nichts passiert. Jedoch findet sich unter den Sportschützen nur noch die Elite der sozialen Oberschicht, denn Blei ist europaweit grundsätzlich pfui, somit bleiben nur noch Kupfergeschosse. Und die sind teuer. Denn als Blei ganz allgemein über Nacht verboten wurde und darum der Preis für die wenigen Alternativen bezüglich Munition in der unmittelbaren Folgezeit unverändert hoch war, haben viele Schützen vorausschauend ihr Hobby, ihren Sport aufgegeben. Die Nachfrage stieg nicht wirklich, der Preis blieb hoch. Blöd nur, dass diesen Leuten niemand gesagt hat, dass Bleigeschosse für die Sportschützen und Jäger eh erlaubt bleiben sollen. Nur das stand halt nicht im WaffG 2024, sondern die Sportschützen und Jäger waren halt irgendwo in einer Verordnung des Unionsrechts in Artikel zweitausendeinhundertfünf Absatz vierundzwanzig Ziffer einundneunzig Littera k bezüglich Bleiverbot ausgenommen. Alle, denen Pulverdampf ein Fremdwort war, haben dies jedoch nie erfahren. Der Preis für Bleigeschosse hat sich dem Preis für Kupfergeschosse angenähert, weil kaum noch Nachfrage. Blöd. Vermeidbar. Und die Reichweite von Pulverdampf und den Interessenvertretungen ist halt begrenzt. So kam es, dass die Gattung des Legalwaffenbesitzers zu einer bedrohten Art wurde.

Und da stehen sie nun, die letzten Überbleibsel unserer Schubladen. In einer langen Schlange für die Anmeldung zum einzigen Bewerb des Jahres, am einzigen noch vorhandenen Schießstand im Bundesland. Weil die anderen mussten alle dicht machen, hat sich nicht mehr rentiert, eh klar.

A pro pos Bewerb; endlich gibt’s eine Sportordnung und kriegssimulierender Sport wurde den Bedürfnissen der Allgemeinheit angepasst: IPSC ohne schnelles Laufen, maximal 3 Schuss in 10 Sekunden und ausschliesslich Subsonic- Muni. Darum haben die Sportschützen ihr 5,56er zu einem 300 Blackout umbauen müssen. Ich muss nicht eigens erwähnen, dass auch das zur Zersplitterung der Schützen geführt hat, weil das können sich noch weniger leisten, auch wegen der Munitionskosten? Wurscht…

„Oooiidaaa, woos iiesn doo?!“ mault der Jogginghosen- Jango schulterkreisend, genickknackend und ungeduldig von einem Fuss auf den anderen steppend. Jetzt steht er schon eine viertel Stunde an und irgendwie geht nix weiter. Sein Blick wandert nach vorne an den Beginn der Schlange. Da steht der Schuldige, der kann das Formular nicht lesen, weil die Worte in Schriftgrösse zwölf trotz zwei Zentimeter dicker Augengläser nicht identifizierbar sind.
„Deppata! Zah o, heast! Und wannst z´blind fian Spuat bist, donn loss´s bleibn!“
Nach fünf Sekunden Reaktionszeit dreht sich der gebrechliche Mann zu ihm und ruft mit zittriger Stimme: „Gleichberechtigung, Freinderl, Gleichberechtigung! Solang i dn Führerschein hob, kannst du mir nix! Ausserdem is mir mit meine Waffen no nie wos passiert! Scheiss di ned an! Hahaha“. Während dem Lachen ist ihm zwar kurz die Luft ausgegangen, aber er hat sich doch wieder gefangen. Gottseidank, wir brauchen jeden Legalwaffenbesitzer, weil Artenschutz geniessen wir natürlich keinen.

Der Jango resigniert und checkt lieber seine echte Konkurrenz ab.
Geh bitte… da ist einer, den kennt er schon vom letzten Jahr. Der hat ihn quasi vom Stockerl gestossen, bzw geschossen. Hält sich für so ne Art Messias, quatscht immer alle mit seinen Weisheiten zu. Furchtbar. Aber noch viel schlimmer ist der Zottelige dahinter, der immer so komisch summt. Wo hatn der Sandler bitte die Kohle für den Schießsport her? Vercheckt sicher tonnenweise Gras, dieser Hascher. Nur Bier ist leiwand, Gras is schlecht. Widerlich. Aber hallo, wos isn des do… „Pupperl! Wonn i da höfn ko… geh nua her, Madl!“. Das Schatzi dreht sich genervt weg und klopft einem anderen Kerl auf die Schulter. Der dreht sich um und erfasst den Jango mit kühnem und stählernem Blick. Nun stehen sie sich nur durch ein paar andere Wartende getrennt gegenüber, die Szene erinnert an das Ende eines berühmten Westerns, der Wind tut sein Übriges dazu. Der Neue vom Schatzi überlegt, wie ob er sich die Mühe machen und diesen Sauproleten verbal einstampfen soll, weil wozu sich die Hände schmutzig machen. Auch wenn ers locker könnt.

Da gibt’s einen Rempler von hinten „weida, weida, gemma“. Uff, endlich ist der schwer bewaffnete Friedhoftsdeserteur weiter und die Anmeldung kann voranschreiten.

Vier Stunden später ist die Truppe nun versammelt, gleich geht’s los. So ein grindiger Blader mit Helm, First Aid Kit, einem halben BigMac im verwahrlosten Bart und viel zu vielen Magazintaschen berät sich mit einer durchtrainierten Variante von ihm selbst, während irgendein aufgscheuchtes Hendl wild umherrent, irgendwas von „safety flag, safety flag!“ schreit und den Tränen nahe ist. Ein hilfsbereiter Mann mittleren Alters hält ihn auf, weil er ihm was sagen will. Da ist der Schnorrer aber glücklich. Leider ist er an den Kompensator geraten, der ihm zur Aufmunterung einen dreckigen Witz erzählen will. Jetzt weint der arme Kerl wirklich. Weiter hinten tummelt sich ein Kerl mit ner hübschen P08, die er gerade ganz stolz einem anderen Kerl zeigt. Der erwidert allerdings nur, dass alles ausser einer Glock ein Krampf ist, weil Munitionsfühligkeit und Zerbrechlichkeit der P08, da kann man ja gar keine +p+ damit verschiessen. Der Überlebende wendet sich kopfschüttelnd vom Ordonnanzwaffensammler ab und geht seiner Wege. Dabei schaut er ständig links und rechts auf den Boden, könnt ja sein, dass irgendwo ein Munitionspackerl in einer Ecke liegt. So ein alleinstehendes und unwissendes Bubi beobachtet unter imaginären Facepalms die ganze Szenerie. Gottseidank hat er seinem Nachbarn, der ihn beim Einladen der Waffen ins Auto dabei ertappt hat gesagt, dass man nur als aktiver Sportschütze zu einem solchen Bewerb fahren darf, Zuschauer gibt’s keine und er muss daheim bleiben. Mit dem Hättiwari im Schlepptau hätt der Neuling den imaginären Faceplam gegen einen realistischen Faustschlag in seine Fresse getauscht.

Aber nun geht’s endlich los.

Der erste Teilnehmer packt seine Glock34 aus und ballert lauter Löcher in die Stahlziele, weil selbstgeladen und tactical. Disqualified!
Der zweite Schütze stolpert auf dem unebenen Boden voller Hülsen, die zwar laufend mehr und dann doch wieder weniger werden, weil der Schützengoldgräber ebenfalls aktiv ist. Ihn hauts hin und ein „Schuss löst sich“. Disqualified!
Der dritte Teilnehmer rennt zu schnell, der vierte ballert zu schnell, der fünfte verfehlt die Ziele und drischt stattdessen darauf ein. Disqualified, Disqualified, Disqualified!
Der Suggadaddy muss ja auch mit machen, er will seine Suggababes ja nicht abgeben müssen (ihr erinnert euch? „Gun- Privilege“). Der landet allerdings ganz weit hinten in der Ergebnisliste, weil er so viel Zeit für den Magwechsel braucht; so ein schönes goldenes Magazin kann er ja nicht einfach auswerfen und auf den Dreckboden fallen lassen, das muss natürlich ordentlich verstaut werden. Und weil der Jango deshalb wieder länger warten muss: „Deppata! Zah o, heast!“
So ein Scheiss- Bewerb, denkt sich der Allwissende, hätten die Wappler nur anders gewählt und sich bewusst gemacht, dass zur direkten Demokratie auch ein bisserl Hirn gehört. Dann könnt er jetzt woanders einen gesitteten Bewerb schiessen. Au weh…
Inzwischen schaut sich der Keybord- Warrior das ganze auf dem Bildschirm mittels Liveschaltung an und putzt dabei seine Softair, ne abgeranzte Glock, eh klar. Währenddessen unterhält er sich mit dem Mall- Ninja, der den Flug verpasst hat, über Skype. Fussballtrainerlike, what else.

Am Ende des Tages, die Schützen voller Staub und Dreck, die zehnschüssigen Magazine alle leer und die Desert Eagle noch immer golden glänzend, steht der Cowboy- Acton- Shooter auf dem Stockerl. Der hat zwar kein AR15 mit Rock´n ´Roll- Abzug und keine Glock34 mit Warren Tactical, dafür aber ein altes Leveraction in .38 Special und einen noch älteren Single- Action- Revolver, den er tatsächlich bedienen kann. Er macht sich keine Gedanken um High- Tech und Wondernines. Und dank seiner primitiven, selbstgeladenen, weichen Bleirundkopfgeschosse - erstens kann er lesen, zweitens hat er mehr Ahnung als nur Stammtischwissen - hat er das Match sogar unbeschadet überlebt. Im Gegensatz zum Überlebenden, der ist nämlich auf der Stage einem Querschläger seiner Underwood GoldDots 124gr +p+ erlegen. Ah ja, der MacDonals- Operator hat durch mehr als drei Schritte in zehn Sekunden einen Herzinfarkt bekommen, der Jango sitzt mittlerweile in U- Haft, weil der den Allwissenden erschossen hat, der Schnorrer hat keine safety flag gefunden, der alte Mann hat sich mit der Minusfederglock und Finger am Abzug zum Ordonnanzwaffensammler umgedreht, diesmal ist halt doch was passiert und beim erneuten Lachen im Sinne von peinlich berührtem „hoppalla, hihihi…hi….hi…aaarrrgh“ ob des unerwarteten Todes des armen Sammlers ist ihm letztendlich wirklich die Luft ausgegangen. Und diesmal hat er sich nicht wieder gefangen. Platz zwei belegt der Neuling, Platz drei das Schatzi, weil ihr Neuer sie gewinnen lassen hat. Dafür wird sie heut Abend sicher besonders lieb zu ihm sein. All das schaut sich der Mönch von oben an und freut sich. Der ist nämlich nicht zur Siegererhung erschienen, weil Dabeisein ist alles. Damit ihm nicht fad wird, hat er sich den Messias als Kommentator für die Siegerehrung und die Nachbesprechung eingeladen.

Und so wurdens wieder weniger. " Siebzehn kleine Schützenmeister fanden sich gemeinsam ein, einer wurde angeschossen...".
:at2:
Zuletzt geändert von cas81 am Di 13. Mär 2018, 12:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schubladen

Beitragvon Bell » Di 13. Mär 2018, 11:46

cas81 hat geschrieben:Die Gunkalypse

:clap: :lol: :clap:
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Re: Schubladen

Beitragvon hmg382 » Di 13. Mär 2018, 12:29

Mittagspausenlektüre: Nach dem eher nachdenklich stimmenden oberen Teil hab ich ab
Der erste Teilnehmer packt seine Glock34 aus und ballert lauter Löcher in die Stahlziele, weil selbstgeladen und tactical. Disqualified!

das Büro verlassen müssen, da ich ultimativ von einem veritablen Lachkrampf stand.

Ganz großes Kino! :lol: :lol: :clap: :clap: :clap:
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Re: Schubladen

Beitragvon the_law » Di 13. Mär 2018, 14:43

i schmeiß mi weg :clap: :clap: :clap:

bitte mehr davon :mrgreen:

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Re: Schubladen

Beitragvon Steinscheißer Karl » Di 13. Mär 2018, 15:22

"der schwer bewaffnete Friedhoftsdeserteur..."

:clap:

#nsfw, da gröllendes Gelächter verursachend...

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Re: Schubladen

Beitragvon Sanity » Mi 14. Mär 2018, 07:47

Fehlen noch die Prototypen hier:




***edit: sch... mobiltelefon
Alles wird gut.

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Re: Schubladen

Beitragvon cas81 » Do 15. Mär 2018, 10:06

Der Gun- Jedi („Dschädai“) ...nein, das hat nix mit Kalifat zu tun...

„GunFu? Dafuq soll das sein? Klingt jedenfalls cool“

Der Gun- Jedi lacht über dem Imperium seine Troopers, weil kein praktikabler tactical Grip an der Langwaffe, point shooting only, das auch noch aus der Hüfte und tactical reload machens auch nicht. Kasperltheater. John Wick, des is was anderes, weil der hats drauf! Nur das mit dem Nachladen seiner IPSC- Shotgun mitten im X muss er noch lernen, immerhin heissts „get off the X“ und nicht „be the X“. Wurscht, der Johnny ist dem Jedi sein Hero. Vom Genetiv hält er übrigens genauso wenig wie von waffenbezogenen Begriffen in deutscher Sprache. Da muss er nämlich immer erst überlegen, weil auf Youtube gibt’s das meist nur in – tschuldigung: auf - Englisch. Aber was isn jetzt der Abzugsbügel? Der gecurvte Abzug selbst oder dem sein Guard drumherum? Wieder wurscht, weil die Amis haben sowieso mehr Ahnung von dem Zeug, darum wünscht er sich auch so sehr in Texas zu leben. Open carry, yes! Dass er dadurch wahrscheinlich bloss zum ersten Ziel wird, sieht er nicht ein, weil die Macht ist mit ihm und situational awareness sowieso!

Esa, Hesa, Usi- Kurse, alles hat er hinter sich. Tactical reload geht im Schlaf und auch wenn die Troopers nur point shooten, dann übt er das trotzdem. Da sind wir übrigens bereits auf der Range;

Hochkonzentriert betritt er die Anlage. Besonnen und wie gewohnt bestens vorbereitet, denn die ganze Woche hat er sich schon auf seinen Ausflug zur Range – sorry, es heisst: seine Trainingseinheit – gefreut, hundertfach dry fire mit Laserpatrone auf die Lupi- Scheibe. Ausm Holster, selbstredend. Aber kein tacticooles Beinholster, nanana, schon am Gürtel, weil er will nicht mit dem Kriegssimulanten verwechselt werden. Auch er hat zwar keinen Waffenpass, aber daheim kann er ja Quasi- Führen. Das Holster macht schon Sinn! Ausserdem macht er eh niemandem die Türe auf. Nicht weil er paranoid ist, sondern weil er keine Menschen mag. Darum studiert er auch Medizin oder Jus; je nachdem ob grössenwahnsinnig und Etikett oder vernichtend rechthaberisch.

Jedenfalls back to topic, wir befinden uns auf der Range; Seine Kleidung unauffällig, schlicht alltäglich, nur das T- Shirt, das er in die Hose gesteckt hat, passt nicht ganz zu seinem legeren slim fit- Look. Aber wegen dem OWB- Holster muss das halt sein, er will sich schliesslich nicht mit seiner Minusfederglock beim Holstern selbst ins Bein schiessen, so wie dieser Idiot auf Youtube: „i just fucking shot myself!“.

Scheibe auf 7 yards – seit den Amiforen und Youtube hat er das metrische System für sich ad acta gelegt – und die Glock bekommt ten rounds zur Fütterung. Nachdem der Slide nach vorne schnellt, bekommts Glöckchen noch einen Klapps auf den Po und einen Stoss gegen die Schultern. Damits nicht nur liegt sondern auch pickt! Ab ins Holster damit.

„Stop, stay down!“ flüstert er – er weiss ja, dass er nicht alleine auf der Range ist und passt seine Stimme rücksichtsvoll an die Umgebung an – mit aktivem Gehörschutz kannst ihn aber trotzdem identifizieren, haha! - zieht die Glock, schwenkt den Lauf nach vorne sobald das Ding aus dem Holster ist. Er schrumpft sich dabei selbst auf die Grösse eines Wollknäuels zusammen, führt die Hand mit der Waffe zur allzeit bereiten und auf der Brust zwischengelagerten zweiten Hand, welche nur darauf wartet abgeholt zu werden. Er stösst ausatmenderweise, fast schon spirituell anmutend die Waffe nach vorne und haut gleich drei mal drei Schuss raus, two the chest and one to the head (wer aufgepasst hat, kennt jetzt ein Abgrenzungskriterium zum Überlebenden). Darum 3 Schuss. Aber nicht nur deshalb; Nach dem neunten Schuss zieht er die Waffe um exakt fünfundvierzig Grad um ihre Achse rotiert zu sich heran, Press Check, linke Hand zum Magazinecarrier um mit Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen ein weiteres Mag mit zehn Schuss zu grabben, rauf damit zur Waffe während die Schusshand das alte Mag auslöst, das er mit Ringfinger und kleinem Finger auffängt, um daraufhin das neue Mag einzuführen. Leeres Mag zurück in den Carrier und wieder drei mal drei, gefolgt von einem Präzisionsschuss genau zwischen die Augen. Weil jetzt hat er ja elf Patronen, ned?! Und eine muss wieder drinbleiben, Press Check, is wichtig. Darum hat er auch die Gen4 FS. Das Ganze geschieht binnen zehn Sekunden, weil er mag IPSC und Dinosaurier.

Der Typ ist wie eine Soap, gleich zu Beginn macht er genau das, nur das. Und wennst eine halbe Stunde später wieder zu ihm rüberschaust, dann hast nix verpasst, weil same shit zum fünfunddreissigsten mal. Spannender wird’s aber schon noch; Schon fünf weitere Minuten später steht seine Schiebe auf 25 Meter – hoppalla; 27,3403 yards – und er stanzt im Drei- Sekundentakt Löcher in den Achter, Neuner und Zehner.
Jetzt hat sich der Handgun- Sniper auch wieder gefangen und fürchtet nicht mehr um sein Leben. Aber wie das Leben so spielt: Was für den Handgun- Sniper nicht zu unmittelbarer Todesangst führt, ist für alle anderen eigentlich fad und alles andere als spannend. Deshalb legt er noch eine Schlussrunde hin, die sich gewaschen hat;

Mit dem Rücken zur Scheibe auf 10,9361 yards steht er da, zwei Mags vorgeladen. Dann drückt er aufs Knopferl um die Scheibe mittels High- Tech- Seilzuganlage reinzuholen, dreht sich um, nimmt die Waffe auf (keine Panik; die liegt mit offenem Verschluss und ohne angestecktem Mag auf dem Tisch), knallt ein Mag rein und durchlöchert die Mannscheibe mit ein paar Schuss center of mass, bis der Slide hinten bleibt. Das leere Mag pfeffert er mit der zweiten Hand unterstützend raus, sodass die eng beieinanderliegenden Wände am Stand PingPong damit spielen, haut das nächste Magazin rein und two to the chest and one to the head again. Das alles, bevor die Scheibe zum Stehen kommt.
Ned schlecht… denken sich alle. Ausser dem Sniper. Dem Jedi hingegen sind beide Meinungen wurscht.

So, jetzt muss er aber los, schnell zum Jiu Jitsu- Training. Vielleicht schaut er nachher noch beim Gundealer vorbei, weil der hat sicher irgendeine leiwande Defensivmuni. Nicht, dass ihm das wichtig wär, shotplacement kills, das weiss er schon. Genauso wie velocity, darum hat er ja 9Para und am liebsten maximal 115 Grain, so ein 147 Grain Haubitzenstoss spreizt ausserdem seine Gruppen, was uns erneut zum shotplacement führt. Er ist nämlich praktisch orientiert, die esoterischen Diskussionen überlässt er dem Theoretiker und dem Überlebenden.

Daheim im Forum stolpert er über das übliche Gelaber wegen Abzugstuning, blacked out sights und die gewöhnlichen Schimpftiraden der Sniperelite, weil heut schon wieder jemand den meditativen Vorgang des Zielsports unterbrochen hat, weil schon wieder jemand so dumm war und dank den drei mal drei mal drei- Statistiken auf Nahdistanz schiesst anstatt auf 27,3403 yards - sorry, für die Sniper sind es 25 Meter - auch wenn die maximale Zimmerdiagonale seiner Wohung nur 6,56168 yards beträgt. Die Gedanken des Jedis gebe ich nicht nochmal zum Besten, die stehen eh schon in der Sniperrubrik.

Pfeif drauf, ab zu Polenar Tactical, Demolition Ranch und Sage Dynamics. Den Yaeger, auch wenn er mal die Wahrheit spricht, kann man ja zwischendurch auch noch kurz auslachen. Elf Jahre später zieht er sich immer noch dieselben Videos rein, denn er hat sie in weiser Voraussicht downgeloaded. Wegen seiner Nostalgie jedoch hat er den einzigen Bewerb des Jahres verpasst. Crap! Oder doch eher Glück gehabt? Wahrscheinlich wäre er eh disqualified gewroden, weil er nicht den Parcour abrennt, sondern sich lieber einen Punkt sucht, von dem aus drei Pappziele in einer Linie stehen, um sie dann mit einem einzigen Schuss zu durchlöchern.
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Re: Schubladen

Beitragvon cas81 » Di 20. Mär 2018, 12:32

Wir begeben uns nun – wie bereits bei der Gunkalypse - auf eine etwas realitätsfernere Ebene. Ich bitte um Verzeihung, dass ich meine eigenen Regeln breche. Doch mir scheint, die anfangs demonstrative Aufzählung der Schießstandtypen ist in einer erschöpfenden Aufzählung ausgeartet. IdS – verspätet – das Go für wahrheitsgemäss bekernte und doch fiktive Stories, angelehnt an die Schubladenschützen, Selbstironie welcome.

Disclaimer: Es gibt einen Unterschied zwischen blossem Anlass und Unterstellung, bzw des finalen Eindrucks.

Darth Schandmaul

Was ist er doch für ein armseliges Würstchen. Schaut so aus, schaut so drein. Biegen und Beugen, das kann er besser als sonst etwas. Er versucht um jeden Preis die unmittelbar zuvor auf das Hirn des Diskussionsgegners hingepickten Statements wieder wegzukletzeln. „Hast mich falsch verstanden“ oder Totschlagargumente, jedes Mittel ist ihm recht. Hauptsache Rechthaben und stets gepaart mit abfälligen Bemerkungen. Er selbst hält sich für die Spitze der Evolution, den Anderen geistig überlegen, weiss immer was zu jedem Thema und das auch noch besser. Immerhin kann er sich (zumindest schriftlich) exxxtra gewählt und höflich ausdrücken, wirft mit Fachbegriffen um sich, sodass ihm jeder Glauben schenkt, der noch weniger weiss. Keine halben Sachen!

Interessant wird es, wenn er sein Schandmaul mal wieder zu weit aufmacht und dann auf einen noch grösseren Klugscheisser trifft. Noch interessanter wird es, wenn dies auf dem Schießstand geschieht. Und nochmal eine Schippe besser ist jene Situation, in der er auf den Gun- Jedi trifft (ihr erinnert euch, der Menschenfeind):

Endlich ist der Jedi auf der Range angekommen, die ganze Woche hat er sich darauf gefreut. Da steht er nun, packt sein Zeug aus und hängt die Geiselscheibe auf, um seinen Mozambique- Rescue- Drill zu exerzieren und zur Perfektion zu treiben. Heute mit dem AR15 in zehn Zoll und dem zugehörigen twenty round magazine. Konzentriert lädt er Patrone Nummer dreizehn, vierzehn, fünzehn…

Aha, was hamma denn da?“ tönt es plötzlich von hinten. Der Jedi reagiert nicht. Nicht etwa, weil er so konzentriert ist, sondern weil er hofft, dass ihn seine für Langwaffen atypischen Mickeymäuse retten. Weil da kann er so tun, als würd er den Kerl hinter sich nicht hören. Weil er weiss genau, was jetzt kommt.

*Tipp- Tipp auf die Schulter*
Jetzt weiss er, dass er verloren hat. Widerwillig dreht er sich um. Mit genervt- freundlichem Blick sieht er das penetrante Maxerl an. Seine eh schon dunklen Augen werden dabei von der gelben Schiessbrille noch weiter verdunkelt, man könnte meinen, es handelt sich um den grössten Wes Borland- Fan. Seine Krähenfüsse werden durch das gelbe Glas verstärkt, die Falten auf seiner Stirn harmonieren mit seinem grau werdenden Haar. Nicht, dass der Jedi alt wär, er ist halt ein bisserl gezeichnet von seinen vierzig Jahren Lebenszeit unter Idioten. Menschenfeind, ihr erinnert euch. Das Maxerl ist ein im Gesicht buschiger kleiner Kerl mittleren Alters, der am Kopf nur noch einen leichten Kranz aufzeigt, welcher sich im Nacken auffällig wieder zu einem Busch entwickelt. Der schaut schon so lästig aus…

„Ja bitte“ sagt der Jedi dezent lächelnd und sich seines Schicksals voll bewusst.
„Naja, solche Magazine sind verboten, gö!? Das darfst bei uns nicht verwenden. Oder bist in einem Landesschützenverband?“.
„Nein, bin ich nicht. Nur in einem kleinen Verein“
„Na was machst dann da? Ich mein, is eh egal, aber für nächste mal halt, gell!“
teilt ihm das Maxerl selbstbewusst und augenzwinkernd mit.
„Ok. Danke“

Hauptsach gusch, der Wappler. Und endlich kann der Jedi die Geisel befreien.

*Tipp- Tipp auf die Schulter*
Der Jedi wünscht sich grad, er hätt an hohen Querschnitt, alles ist besser als das. Und schon steht das Maxerl wieder hinter ihm.
„So a Mündungsfeuerdämpfer is bei uns aber ned erlaubt, gell!?!“
„Das ist ein Kompensator, kein Dämpfer.“
„Aha, sagt wer?“
„Ich.“
„Aha, und wer bist du? Vielleicht stellst dich erst mal vor, hm?!“


„Dein schlimmster Alptraum“ würd der Jedi jetzt gern sagen, aber er denkt praktisch: Je sachlicher und freundlicher er das Maxerl abwimmelt, je verständnisvoller er sich zeigt, desto eher kann er weiter machen.

„Ich bin der Bronko, schau mir den Verein mal an, vielleicht wird’s ja was. Servus.“
„Toni, seavas. Ändert nix dran, dasst du da mit Kriegsmaterial herumballerst, Sowas unterstütz ma ned. Ned bös sein, aber schiess mit da Pistole oder pack dei Zeig zsamm und beim näxtn mal kommst mit ana anständigen Laufläng und ohne Dämpfer. Und die Hülsen lass ma schön da liegen, gell.“


Jetzt wird der Bronko dezent zornig. Und er überlegt schon, ob´s ihm das wert ist, im Häfn zu landen. Aber mehr im Spass und zur eigenen Beruhigung, weil wenn er sich quasi selbst dezimiert, dann gewinnen die Trottln. Dass das nicht möglich ist, versteht sich von selbst.

„Toni, schau, die Läuflänge ist ok und unterschreitet kein Mindestmaß, der Dämpfer ist in Wahrheit ein Kompensator, da schau, Prellflächen. Das Zwanziger- Magazin ist noch nicht verboten und selbst wenn, dann bin ich ja schon lange woanders Vereinsmitglied. Ist alles rechtens. Und das mit den Hülsen lass bitte sein, das funktioniert so nämlich nicht“.

Damit hat das Maxerl nicht gerechnet. Rage- Mode:
„Huach zua, i hab scho gschossn, da warst du no als Treibladung im Sackl von deim Papa! Dazähl ma nix. Dass des bei uns verbotn is, steht in die Statutn, des mit de Hülsn genauso! Ausserdem hat mei Freind der Anwalt gsagt, dass so a kurzes Kriegsgwehr verbotn is, mit oder ohne Dämpfer. Dazu gibt’s a höchstgerichtliches Urteil, gö! Und jezza schau, dasst weg kummst, oder schiass mit da Pistoin.“

Auch der Bronko wird nervös:
„Aso, ein Urteil? Welches denn?“
„Na des von 2008, wos einem so a Gwehr bei der Kontrolle abgnommen haben.“
„Du meinst den paranoiden Reichsbürger, der auch fünf AK´s unterm Bett versteckt hat?“
„Jo, genau, genau! Den! Und darum spüts des bei uns ned, gö!“


Der Bronko wird langsam richtig sauer. Jetzt überlegt er nochmal, ob sichs auszahlt. Diesmal aber abseits des oben genannten Prinzips. Trotzdem legt er sein AR weg und macht mit der Pistole weiter. Wengam Frieden warats.

*Tipp- Tipp auf die Schulter*
Leck… Dem Bronko sein Blick gleicht einem Heroinsüchtigen auf Entzug.
„Du, Freinderl, langsam, gö, wir wolln kane Rambos do bei uns!“
Der Bronko ist brav und überlegt, ob er sich nicht lieber selbst richten soll, weil die Trottln werden eh ned weniger. Also eh nicht wirklich, weil wenn der Klügere nachgibt, dann gewinnt der Dumme und des geht sowas von gar ned.

Währenddessen suhlt sich der Toni satt und zufrieden in seiner unermesslichen Blödheit, weil jetzt hat ers dem Neuen gegeben, ihm gleich gezeigt, wo sein Platz ist und wer der Sheriff in im Revier ist. Der Bronko zerballert inzwischen die Scheibe und unterscheidet nicht mehr zwischen Geisel und Geiselnehmer. Er wird schon an Grund haben, sie hats sicher herausgefordert…

Nach seiner Trainingseinheit gönnt er sich an der Bar noch ein Seiterl. Am Nebentisch hört er schallendes Gelächter, unterbrochen von Geschimpfe auf EU und Richtlinie und Rechtswidrigkeit und Eigenverantwortung: „De derfn des goa ned... EUDSSR… Willkür… So wie i des vasteh… Meiner Ansicht nach… mei Freind der Anwalt…. RIS… Unbescholtene Bürger... FPÖ… IWÖ… NFVÖ… Forum…“
Der Jedi zwitschert das Seiterl weg wie nix, er vertragt zwar nix, aber jeder Unfalltod ist besser als das.

„Heast, Neicha! Bronko wars, oda?“
Oh nein, bitte nicht, bitte bitte bitte…!

„Ja, Bronko“ sagt der Jedi lächelnd. Wobei der Stallone mittlerweile hübscher lächelt als unser Bronko. Der Bronko schaut nämlich aus, als würd er grad den dritten Schlaganfall schieben, mittendrinn statt nur dabei.

„Wia siachst du des, ha?“
„Wie seh ich was?“
„Na des mit die Erweiterungen, nur für Sportschützen, des steht jo nirgends und trotzdem. Willkür!“


Oh Gott, bitte nicht… Der Bronko will so gern diesen Laberer verbal in seine Einzelteile zerlegen. Aber er weiss halt auch, dass die Leute lieber auf Stur schalten und vom Höllenschlund verschluckt werden würden, als sich einzugestehen, dass sie Unrecht haben. Was solls, vielleicht ist ja wenigstens einer bereit ernsthaft zuzuhören:
„Das hat nix mit Willkür zu tun, der 23 2b stellt auf Schießsport ab“.

Grosse Entrüstung am Stammtisch, fast schon panisch schnattern und bellen alle durcheinander, besonders der Toni wird wieder laut:
„Aha, so ana bist du. Vorauseilender Gehorsam, Olé!“.

Der Jedi überlegt sich, ob er nicht auf Nummer sicher gehen und sich schnell noch zwei Krügerl auf Ex reinschütten soll. Die Strassen sind eh leer und die erste Kurve hat so einen schönen, gähnenden Abhang…

„Nein, das hat nix mit vorauseilendem Gehorsam zu tun, da geht’s nur um…“
„Geh, geh, geh. Bist sicher a Grünwähler, ha?! Verschon mich mit dem jussischen Kauderwelsch, des interessiert keinen. Kennst di einfach ned aus! Die kennen si a ned aus, lesen eh nur nach, des konn i a! Ausserdem gibt’s do a Urteil vom VfGH…“
„Erkenntnis. Es heisst Erkenntnis und ausserdem meinst sehr wahrscheinlich den VwGH“
„Wuascht! Do gibts a Urteil wie einer…“
„Das kannst nicht auf alles einfach umlegen, da wird irgendwo im Sachverhalt etwas sein, dass diese Entscheidung bereits rein aus rechtlicher Sicht mehr oder weniger erzwungen hat. Heisst ja nicht, dass das toll so ist, aber…“
„Geh, geh! Nix konnst erzwingen, de mochn eh nur wos sie wolln! Willkür, Polizeistaat!“


Der Bronko kann nicht mehr: „Seavas, schönen Unfalltod noch…“
„Danke, seavas. Hahahahaaaa!“

So geht er dahin, der Jedi und schlussendlich hat doch der Wichtigtuer gewonnen.

Am nächsten Morgen wacht er auf, der Jedi. Angfressn, weil erstens Wiener und zweitens weil er die Idioten vom Vorabend noch lachen hört. Hätt er doch nur die Samthandschuhe ausgezogen… Hätte, wäre… Na, Stopp, des is der Andere, tschuldigung. Beim Binden der Krawatte zieht er gewollt aber unabsichtlich zu fest an, aber zum Umfallen hats halt nicht ganz gereicht. Was solls, also ab in die Arbeit.

In der Kanzlei angekommen schaltet er das Notbook ein und schaut erst mal, was sich so im Waffenforum tut. Und in der Rubrik *WaffG und andere Grausamkeiten* schlagen sich die Hobbyempörten wieder mal gegenseitig die Schädel ein und zwar mit einem Brustton, auf den der Pavarotti neidisch wär. Kurz gibt er seinen qualifizierten Senf dazu und erntet dafür ein „Vielleicht setzt dich halt mal mit der Materie auseinander, bevor du so gescheit daherredest“.
Hätt er sich doch nur die zwei Krügerl gegönnt…

Jedenfalls beginnt dasselbe Schandmaul mit seinem neunmalklugen Spruch über so einen Neuling zu schimpfen, der gestern im Verein der verantwortungsvollsten Schützen der Welt mit einem Mündungsfeuerdämpfer geschossen hat und trotz seiner Aufforderung nicht gehen wollte. Die Forenmeute lässt sich davon natürlich hinreissen, es ist die Rede von Kriegsmaterial und elektrischem Stuhl, weil UDSSR, usw.

Jetzt – JETZT – hat der Bronko die Nase wirklich voll. Dem Oaschloch wird ers geben, aber wie auch noch: „Jenny, sagens bitte meinen Termin um sechzehn Uhr ab, ich muss heut früher raus. Hamma beide was davon. Danke!“.

Da ist er wieder, unser Jedi, back on the range und mehr als ready den Darth- Schandmaul zu bezwingen. Er wittert seine Beute schon, die Nackenhaare stellts ihm auf. Da steht der Silberrücken und schwadroniert mit irgendeinem anderen Wichtigtuer über die Einbrecher aus dem Osten:
„Host scho g´hert, die scheren sich jetzt a Vollglatze und malen sich hinten ein Gesicht auf den Schäddl. Weil die wollen, dass du glaubst, dass die zu dir schauen und sie angreifst. Und dann schiesst ihnen eigentlich in den Hinterkopf. Mord, eindeutig, Häfn! So weit denken die schon.“

Des is doch wirklich vom Sautrottl der Erstgeborene, denkt sich der Jedi. Jetzt macht er ihn fertig, der wird sich nie mehr davon erholen, haha!

So zumindest der Plan.
Denn bevor er ihn ausführen konnte, hat er so ein Drücken auf der Brust gespürt. Das Letzte, was der Jedi vernommen hat, war der saudumme Blick vom Darth- Schandmaul und seinem Azubi, sowie die Worte: „Siachst, Peppi. I habs schon immer gsogt: die Klugscheisser sterben früher und der Klügere gibt nach!“

Einige Wochen später schaut der Admin des Waffenforums auf seine Mitgliederzahl und wundert sich etwas. Zunächst ist die Zahl von fünftausend auf viertausendneunhundertneunundneunzig gesunken. Er denkt ein wenig zurück und erinnert sich, dass es seither auffällig friedlich war. Zwar das übliche Gemecker, aber alle waren sich einig. Wird wohl so ein Stänkerant gewesen sein, dieser Eine. Und kurze Zeit darauf verzeichnet er sechstausend Mitglieder in seinem Forum. Komisch…

Das muss man sich ein bisserl wie den Anfang von "Idiocracy" vorstellen.
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Re: Schubladen

Beitragvon Balistix » Di 20. Mär 2018, 12:57

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Re: Schubladen

Beitragvon Steinscheißer Karl » Di 20. Mär 2018, 13:58

Chapeau!
:lol:

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Re: Schubladen

Beitragvon tiberius » Di 20. Mär 2018, 14:13

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