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Restaurieren eines Werndl 1867 Karabiners

Vom Vorderlader bis zum Cowboy Action Shooting - Hauptsache es kracht und raucht!
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Roman84
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Restaurieren eines Werndl 1867 Karabiners

Beitrag von Roman84 » Sa 13. Nov 2021, 09:41

Liebe PD-Gemeinde!

Ein Freund hat im Zuge von Bauarbeiten ein ziemlich verrostetes Gewehr gefunden, das dort weiß-Gott-wie-lange am Dachboden gestanden ist. Er bat mich, es mir näher anzusehen - also was es ist und ob man es fürs Auge herrichten kann.

Gesagt, getan!
Wie im Betreff bereits gespolert handelt es sich wahrscheinlich um die Karabiner-Ausführung eines Werndl-Gewehres.
Ich habe es geschafft, das gute Stück in alle Einzelteile zu zerlegen und großteils zu entrosten.

Es sieht so aus, als ob bei der Ausführung, die gerade in meiner Werkstatt liegt, abgesehen vom Tabernakelverschluss alle Teile brüniert gewesen sind. Der Zylinder des Verschlusses scheint blank gewesen zu sein.
Auch die Innenseite der seitlich angebrachten Schlageinrichtung scheint immer blank gewesen zu sein.
Nach Durchsicht etlicher Bilder im Internet bin ich etwas verwirrt, da es hier unterschiedlichste Varianten gibt. Manchmal ist alles brüniert, manchmal sieht man spiegelblanke, polierte Verschlusszylinder. Andere Zylinder wirken komplett brüniert, bei anderen brünierten ist die eingefräste Rampe wiederum spiegelblank ...

Jetzt meine eigentliche Frage:
wisst ihr, welche Teile alle brüniert werden müssen, um den Originalzustand halbwegs wieder herzustellen?

Vielen Dank im Voraus!

Falls meine Frage eher in "Sammeln" oder "Reparatur, Pflege, Tuning" passen sollte, bitte ich um entsprechenden Verschub :)

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AUG-andy
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Re: Restaurieren eines Werndl 1867 Karabiners

Beitrag von AUG-andy » Sa 13. Nov 2021, 10:03

Die Experten können dir sicher weiterhelfen wenn du einige brauchbare Bilder einstellen würdest. Da kann man viel besser erkennen worum es sich handelt.
:text-worthless:
MfG
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Re: Restaurieren eines Werndl 1867 Karabiners

Beitrag von Roman84 » Fr 19. Nov 2021, 21:13

Soooodern ... lange hat's gebraucht, aber hier sind sie: die gewünschten Bilder! :dance:

Zustand bei Übernahme:

Bild Bild
Was mir bereits hier Kopfzerbrechen bereitet: Lauf, Verschlussgehäuse und Verschluss haben unterschiedliche Farben.
Während der Lauf tiefschwarz ist, scheint das Gehäuse eher heller brüniert zu sein, während der Verschluss blank aussieht.

Bild Bild

Nach dem ersten Durchgängen WD40 + Drahtbürste.
Das gesamte Gewehr ließ sich mehr oder weniger anstandslos auseinandernehmen

Bild Bild Bild
Man beachte wieder die unterschiedlichen Färbungen von Verschlussgehäuse und Lauf.
Das Verschlussgehäuse sieht an den Teilen, die im Schaft gebettet gewesen und weniger vom Rost befallen sind, ebenfalls blank aus.
Ebenfso an der Innenseite, in der sich der Tabernakelverschluss dreht.

Bild Bild
Hammer/Schlageinrichtung Außen- und Innenseite.
Während die Innenseite blank aussieht, erscheint die Außenseite bzw. der gesamte Hammer brüniert
Gibt's das, dass man damals nur die außen liegenden Stellen brüniert hätte? :think: :?:

Bild
Zum Abschluss die Kimme. Verstellbar von 6 bis 14 ... ja ... was eigentlich ... ? Fuß, Klafter, Schritte? Lt. Wikipedia wurde das Metrische System ja erst 1871 eingeführt.

Nun - lange Rede, kurzer Sinn: könnt ihr mir weiter helfen und mir sagen, welche Stellen jetzt neu zu brünieren sind?
Vielen Dank im Voraus!!!

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Re: Restaurieren eines Werndl 1867 Karabiners

Beitrag von The Plinker » Sa 20. Nov 2021, 08:33

Zur Kimme: das dürften Angaben in Schritt (paces) sein. Auf der Webseite Manowar's Hungarian Weapons wird Entsprechendes für den 1867 (http://www.hungariae.com/Wern67.htm), und für einen mit den Werndl-Gewehren verwandten Früwirth-Karabiner aus der gleichen Epoche (http://www.hungariae.com/Fruwirth.htm) angegeben
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Re: Restaurieren eines Werndl 1867 Karabiners

Beitrag von utc37 » Sa 20. Nov 2021, 14:46

Gibts einen Grund warum die Bilder wieder weg sind?

Bin neugierig ;)

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Re: Restaurieren eines Werndl 1867 Karabiners

Beitrag von AUG-andy » Sa 20. Nov 2021, 14:49

utc37 hat geschrieben:
Sa 20. Nov 2021, 14:46
Gibts einen Grund warum die Bilder wieder weg sind?

Bin neugierig ;)
Sind doch noch da .
MfG
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Re: Restaurieren eines Werndl 1867 Karabiners

Beitrag von The Plinker » Sa 20. Nov 2021, 15:19

AUG-andy hat geschrieben:
Sa 20. Nov 2021, 14:49
Sind doch noch da .
utc37 ist nicht allein, ich sehe auch nur blaue Stellvertreter (imgbb.com - Image not found).
So ist das Leben - an einem Tag verlierst Du, am nächsten gewinnen die Anderen.
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Re: Restaurieren eines Werndl 1867 Karabiners

Beitrag von Roman84 » Sa 20. Nov 2021, 19:42

Tatsache ... sehr strange das mit den Bildern.
Ich versuche mal einen re-Upload

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Re: Restaurieren eines Werndl 1867 Karabiners

Beitrag von Roman84 » Sa 20. Nov 2021, 19:52

Ok, hier der Re-Upload!

Zustand bei Übernahme:


Bild Bild
Was mir bereits hier Kopfzerbrechen bereitet: Lauf, Verschlussgehäuse und Verschluss haben unterschiedliche Farben.
Während der Lauf tiefschwarz ist, scheint das Gehäuse eher heller brüniert zu sein, während der Verschluss blank aussieht.

Bild Bild

Nach dem ersten Durchgängen WD40 + Drahtbürste.
Das gesamte Gewehr ließ sich mehr oder weniger anstandslos auseinandernehmen

Bild Bild Bild
Man beachte wieder die unterschiedlichen Färbungen von Verschlussgehäuse und Lauf.
Das Verschlussgehäuse sieht an den Teilen, die im Schaft gebettet gewesen und weniger vom Rost befallen sind, ebenfalls blank aus.
Ebenfso an der Innenseite, in der sich der Tabernakelverschluss dreht.

Bild Bild
Hammer/Schlageinrichtung Außen- und Innenseite.
Während die Innenseite blank aussieht, erscheint die Außenseite bzw. der gesamte Hammer brüniert
Gibt's das, dass man damals nur die außen liegenden Stellen brüniert hätte? :think: :?:

Bild
Zum Abschluss die Kimme. Verstellbar von 6 bis 14 ... ja ... was eigentlich ... ? Fuß, Klafter, Schritte? Lt. Wikipedia wurde das Metrische System ja erst 1871 eingeführt.
(wie The Plinker es weiter oben bereits vermutet hat, wird es sich tatsächlich um Schritt handeln = also ca. 440 - 1.020 Meter)

Nun - lange Rede, kurzer Sinn: könnt ihr mir weiter helfen und mir sagen, welche Stellen jetzt neu zu brünieren sind?
Vielen Dank im Voraus!!!

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Re: Restaurieren eines Werndl 1867 Karabiners

Beitrag von Spitfire » So 28. Nov 2021, 13:35

Um den maximalen Wert zu erhalten und es sammlerisch nicht zu zerstören, KEINE Stellen neu brünnieren!

Sieht nie und nimmer zeitgenössisch aus, es sind noch Brünnierungen vorhanden, wozu das Ding schlimmverbessern?

Fachmännisch Rost entfernen, das Holz ggf. dezent nachölen, die Metallstellen konservieren.

Bumm, das Gewehr sieht wieder spitze aus, zeitgenössisch, bleibt sammlerisch wertvoll.

Schlimmverbesserte Ordonnanzwaffen findest Du eh zu Hauf am Gebrauchtmarkt, warum noch ein Gewehr sammlerisch ruinieren?

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Re: Restaurieren eines Werndl 1867 Karabiners

Beitrag von titan » So 28. Nov 2021, 17:08

Zuerst einmal alle Metallteile solange mit öligem Tuch abwischen, bis die aufblühenden Roststellen zurückgehen. Metallteile danach geölt halten. Kein Schleifpapier etc. einsetzen.

Ich persönlich denke, dass diese von dir bedachten Teile blank waren. Da diese Teile mit unverbrannten Pulverresten in Kontakt stehen (Schwefel, Kohle und Salpeter + Salze) ist nämlich eine nicht durchgeführte Pflege eher zu erkennen gewesen als wenn sich an geschwärzten Teilen Ablagerungen aufbauen. Weiters wäre eine Brünierung bei gleitenden und dauernd zu reinigenden Teilen nicht von Dauer, besonders dann, wenn Rückstände erwartungsgemäß zwischen die Gleitflächen gelangen.

Weiters ist an den Ausfräsungen am System innen keine Brünierung zu erkennen was eher gegen eine Brünierung spricht. Die dritte Bildreihe zeigt das relativ deutlich.

Das Schloss dürfte ebenfalls blank gewesen sein, Lauf und Visier hingegen nicht.
Bild

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Re: Restaurieren eines Werndl 1867 Karabiners

Beitrag von Roman84 » Mi 1. Dez 2021, 13:25

Spitfire hat geschrieben:
So 28. Nov 2021, 13:35
Fachmännisch Rost entfernen, das Holz ggf. dezent nachölen, die Metallstellen konservieren.
Ok, was verstehst Du unter "fachmännisch Rost entfernen" und wie/womit würdest Du die Metallstellen konservieren?

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Re: Restaurieren eines Werndl 1867 Karabiners

Beitrag von Spitfire » Mi 1. Dez 2021, 17:29

Roman84 hat geschrieben:
Mi 1. Dez 2021, 13:25
Spitfire hat geschrieben:
So 28. Nov 2021, 13:35
Fachmännisch Rost entfernen, das Holz ggf. dezent nachölen, die Metallstellen konservieren.
Ok, was verstehst Du unter "fachmännisch Rost entfernen" und wie/womit würdest Du die Metallstellen konservieren?
Hi,

vielleicht können auch noch die Metaller aus dem Forum ihre Meinung dazu abgeben.

Wenn ich stark verrostete Teile restauriert habe, habe ich sie in starkes Kriechöl (zb WD40) eingelegt.

Einen tag baden lassen.

Abgeschrubbt, Öl gewechselt, das ganze so lange, bis das Öl einen Tag nach dem Einlegen keinen Rotstich mehr hatte.

Danach nochmals stark mit WD40 bespritzt, mit einer harten Kunststoffbürste alle Rostnarben ausgeschrubbt, gff. mit der feinsten Stahlwolle !!!vorsichtig!!! abgerieben.

=> Sobald das Teil vom Rost befreit war, mit zähem Metallfett (umgangssprachlich "Bremsenschmiere" genannt, muss mal nachsehen) fest eingerieben, in die Rostnarben gebürstet.

Leicht abwischen, es sollte ein dünner Fettfilm draufbleiben.

Fertig.

Holz ist eine komplizierte Angelegenheit, was sagt der Rest dazu?

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