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Steyr Mannlicher M.95

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Bueller
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Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von Bueller » Di 4. Feb 2020, 19:23

Ich konnte aus einem Erbe ein Steyr Mannlicher M.95 erwerben.

Leider kenne ich mich mit den österreichischen Ordonnanzwaffen nicht wirklich aus und hoffe ihr könnt mir etwas zu diesem Gewehr sagen.

Der Karabiner stammt ja ursprünglich aus Österreich, hat aber auch deutsche Stempelung (die ich bisher aber nicht wirklich zuordnen kann).
Dazu gab es passende Munition im Kaliber 8x56R aus dem Jahre 1938 mit Wehrmachtsstempel.

Wie könnte die Geschichte der Waffe aussehen? Wurde sie allenfalls nach der Eroberung Österreichs von der Wehrmacht weiterbenutzt? Kamen die Stempel an der Waffe nach dem Krieg drauf und ist die Munition Zufall?

Ich danke euch für eure Hilfe.

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martin
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Re: Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von martin » Di 4. Feb 2020, 21:09

Die Waffe ist als Karabiner in 8x50R gebaut worden. (kurzes Visier) In den 30er Jahren wurde es auf 8x56R geändert. ("S" auf der Laufwurzel) Auf der Hülse ist der doppelköpfige Adler vom Ständestaat zu sehen, sowie die Abnhame "HV 36" (Heeresvewaltung 1936), das war also eine Waffe des Bundesheeres in der Zwischenkriegszeit. Die ursprüngliche Abnahme aus der KuK Monarchie wurde überstempelt. (zumindest sieht es am Foto so aus als ob da mal was anderes stand)

Viele M95er wurden auch nach dem Anschluss weiterhin verwendet. Die Hirtenberger Patronenfabrik hat 1938 den Adler vom Ständestaat gegen den Reichsadler ausgetauscht, er findet sich auch auf den dazugehörigen Ladestreifen und Kartonschachteln.

Das deutsche Beschusszeichen müsste Mellrichstadt/ Bayern sein, der Code 9KF steht für 9/95, sprich September 1995.

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Re: Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von Bueller » Di 4. Feb 2020, 22:32

Klasse, vielen Dank für deine ausführlichen Infos.

Als Schweizer musste ich zwar einige geschichtliche Bezeichnungen nachlesen *g*

Die Stempelungen hast du auch ausführlich beschrieben. Es isr korrekt, dass unter dem "HV 36" noch ein anderer sichtbar ist. Ich muss den mal genauer anschauen.

Eine Munitionspakung ist geöffnet, da werd ich mir den Ladestreifen auch noch genauer anschauen. Der Reichsadler ist auch auf den Verpackungen drauf.

Woher der deutsche Beschuss von 1995 kommt wird ein Rätsel bleiben, eine CH-Markierung hat der Karabiner nicht.

Gross im Kriegseinsatz scheint er nicht gewesen zu sein, da kaum Gebrauchsspuren vorhanden sind. Der Vorbesitzer war beim Zusammentragen seiner Sammlerstücke sehr wählerisch.

Nochmals vielen Dank.

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woolf
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Re: Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von woolf » Mi 5. Feb 2020, 00:53

Bueller hat geschrieben:
Di 4. Feb 2020, 22:32
Woher der deutsche Beschuss von 1995 kommt wird ein Rätsel bleiben, eine CH-Markierung hat der Karabiner nicht.

Gross im Kriegseinsatz scheint er nicht gewesen zu sein, da kaum Gebrauchsspuren vorhanden sind. Der Vorbesitzer war beim Zusammentragen seiner Sammlerstücke sehr wählerisch.
Das ist recht einfach erklärt: nach dem Krieg gingen die meisten nach Bulgarien, irgendwann habens die dann auch ausgemustert und dt. Großhändler haben die Dinger aufgekauft und auf den deutschen Markt geschmissen.

In Bulgarien wurden die (teilweise? großteils? alle?) überarbeitet, daher die teilweise oberflächlich wenige gebrauchte Optik.

Die Kenner werden dir sicher noch genaueres zu deinem Stück sagen können. Dass er Spaß macht beim Schießen kann ich dir aber auch jetzt schon sagen :)

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Re: Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von Unterförster » Mo 10. Feb 2020, 18:57

Soweit ich weiss, wurden die M95 nach dem Anschluss noch einige Zeit lang bei den ehemaligen ÖBH Verbänden verwendet, aber dann grösstenteils als Waffenhilfe nach Bulgarien geschickt, da dort die M95 ja reguläre Standardwaffe waren.
Die M95, die hier blieben, wurden mEn nach bei Polizei und diversen rückwärtigen Einheiten verwendet, aber ab Beginn 2.WK nicht mehr im „regulären“ Kampfeinsatz. (Ganz am Schluss dann vermutlich schon wieder.)
Dass nach dem 2. WK noch M95 ins kommunistische Bulgarien gingen, bezweifle ich, zumal es ja kaum mehr welche in Ö gab- die Gendarmerie hatte übrigens welche!
Dein Gewehr war höchstwahrscheinlich im 1. WK auf kuk Seite, und im 2. auf bulgarischer im Einsatz.
Der optische Zustand trügt, da die Waffen vor dem Einlagern nach dem 2. WK in Bulgarien in der Regel komplett überarbeitet bzw. neu brüniert wurden.
Die Montierungen auf deinem M95 sind typisch bulgarisch, und entsprechen keinem „normierten“ kuk M95- die haben alles einfach irgendwie zusammengebaut.(ist also kein Stutzen, Karabiner, Karabinerstutzen oder Stutzenkarabiner!) ;)
Ende der 80iger/ Anfang der 90iger gabs die bulgarischen M95 tonnenweise um kleines Geld zu kaufen, und 8x50 und 8x56R Patronen säckeweise!
„ Echte“ öst. M95 in 8x50R (also keine Bulgaren) waren immer schon sehr schwer zu kriegen, und in 8x56 noch viel schwieriger!
Interessanterweise gibts jetzt wieder ein paar Bulgaren, nachdem die jahrelang nicht mehr zu sehen waren.

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Re: Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von Bueller » Di 11. Feb 2020, 22:01

Danke Unterförster für deine Ausführungen.
Die veiden Einsatzgebiete entnimmst du den Stempeln oder war das so der übliche Weg?

Welches sind denn die Unterschiede zu den normalen Stutzer oder Karabiner?

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Promo
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Re: Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von Promo » Mi 12. Feb 2020, 09:44

Es gibt M.95 Stutzen und es gibt M.95 Karabiner, und es gibt sogar M.95 Stutzenkarabiner. Sammler unterscheiden sogar nochmals mehr Varianten bei den kurzen 95ern.

Die typische Farbgebung und die Tatsache, dass am Kolben RECHTS eine Seriennummer gestempelt ist, spricht eindeutig dafür, dass deine Waffe mal in Bulgarien war - der Riemen würde dies nochmals bestätigen.
"Als erste zivilisierte Nation haben wir ein Waffenregistrierungsgesetz. Unsere Straßen werden dadurch sicherer werden; unsere Polizei wird effizienter und die Welt wird unserem Beispiel in die Zukunft folgen!"
(Adolf Hitler am 15.09.1935)

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Re: Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von Bergsteirer » Mi 12. Feb 2020, 10:40

Servus an Alle
In den IWÖ Nachrichten 1/17, da gibts eine super Beschreibung vom 95ger.
Ist auch online.
Glück Auf vom Bergsteirer
Dieses schöne Land ist der Steirer Land,
ist mein liebes teures Heimatland.

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Re: Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von silverstar » Mi 12. Feb 2020, 19:09

meiner ist noch 8x50 R und ein "Budapester" ! die Munitionsbeschaffung (zumindest für mich ) fast aussichtslos und "wenn" in einem Preissegment dass es einen "gruselt! Soweit dazu!
Mauser C96 Cal. 7,63mm Mauser C96 9mmPara Star Model D Cal .32 Mauser Jagdkarabiner Cal . 7,63x25mm/9mm Para Colt 1911 Cal.45 ACP
Star Model D Cal .32 Pieta 1851 Confederate Colt Navy .44 caliber revolver
Norinco JW 25 .22

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Re: Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von Unterförster » Mi 12. Feb 2020, 20:54

Bueller hat geschrieben:
Di 11. Feb 2020, 22:01
Danke Unterförster für deine Ausführungen.
Die veiden Einsatzgebiete entnimmst du den Stempeln oder war das so der übliche Weg?

Welches sind denn die Unterschiede zu den normalen Stutzer oder Karabiner?
Kuk und 1. Republik aufgrund der Stempeln, Bulgarien aufgrund der Seriennummer rechts am Schaft und den Montierungen- die sind ganz typisch für Bulgaren (s.u.). Und der dt. Neubeschuss ist auch ein starkes Indiz, dass der via Frankonia aus einem bulgarischen Arsenal kam.
Ich vermute auch mal, dass die Seriennummer mittels Elektroschreiber auf dem Verschluss angebracht wurde, korrekt?
Die ganzen M95-Varianten zu beschreiben, würd hier den Rahmen sprengen. Was an Deinem M95 auffällt ist, dass nur die seitlichen Riemenbügeln da sind, die unteren aber entfernt wurden. (Original wird er als Karabinerstutzen seitlich und unten Riemenbügel gehabt haben). Das ist auch typisch für die Bulgaren

@Promo: Ja, aber es gab bei den kurzen den Karabiner, den Karabiner mit Bajonetthalterung, mit Bajonetthalterung UND Pyramidendorn, den Sutzen, den Karabinerstutzen und den Stutzenkarabiner.
Echte Karabiner und Stutzen in 8x50 R sind brutal selten, da sie meist schon im 1. WK auf Karabinerstutzen oder Stutzenkarabiner umgebaut wurden.

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Re: Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von Bueller » Do 13. Feb 2020, 07:47

Danke für deine Ausführungen. Es ist korrekt, dass der untere Riemenbügel entfernt worden ist. Die Seriennummer am Verschluss ist aber nicht mit Elektroschreiber geschrieben, sondern normal gestempelt/gestanzt.

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Re: Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von Unterförster » Do 13. Feb 2020, 10:15

Bueller hat geschrieben:
Do 13. Feb 2020, 07:47
Danke für deine Ausführungen. Es ist korrekt, dass der untere Riemenbügel entfernt worden ist. Die Seriennummer am Verschluss ist aber nicht mit Elektroschreiber geschrieben, sondern normal gestempelt/gestanzt.
In 1. Republik und in der kuk Armee waren die Verschlüsse nicht numeriert- das ist auch typisch bulgarisch. (In der Regel mit Elektroschreiber, bei deinem hat sich jemand offenbar mehr angetan.) Der öst. M95 hat 3 Nummern: links am Lauf, Hülse und Schaft. Bei Waffen aus Steyr sind fast alle Teile mit „k“ gestempelt, bei denen aus Budapest mit „R“.
Eine Nummer oben auf der Schaftkappe ist der Truppenstempel.

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Re: Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von Promo » Do 13. Feb 2020, 11:00

Unterförster hat geschrieben:
Mi 12. Feb 2020, 20:54
Echte Karabiner und Stutzen in 8x50 R sind brutal selten, da sie meist schon im 1. WK auf Karabinerstutzen oder Stutzenkarabiner umgebaut wurden.
Ja, davon hab ich auch was..
"Als erste zivilisierte Nation haben wir ein Waffenregistrierungsgesetz. Unsere Straßen werden dadurch sicherer werden; unsere Polizei wird effizienter und die Welt wird unserem Beispiel in die Zukunft folgen!"
(Adolf Hitler am 15.09.1935)

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Re: Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von Bergsteirer » Do 13. Feb 2020, 13:11

Das Gewehr M95 hat beim Oberschaft im Bereich der Kimme eine 4 Nummer
Gruß vom Bergsteirer :-)
Dieses schöne Land ist der Steirer Land,
ist mein liebes teures Heimatland.

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Re: Steyr Mannlicher M.95

Beitrag von Chwurza » Fr 14. Feb 2020, 15:41

Hallo,

ich hänge mich mit meinen Fragen gleich mal bei diesem Thread an.
Ich bin neu in der Welt des Ordonannanzschießen und habe vor kurzem diesen M95 8x56R erworben.
Könntet ihr mir bitte ein bisschen was dazu sagen.

MfG Christoph

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