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Winchester Model 1873 Short Rifle (Miroku-Fertigung)

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The_Governor
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Winchester Model 1873 Short Rifle (Miroku-Fertigung)

Beitragvon The_Governor » Sa 3. Nov 2018, 13:09

Hallo zusammen!

Ich möchte euch meine Winchester Model 1873 Short Rifle vorstellen.

Die aktuellen Unerhebelrepetierer von Winchester werden in Japan bei Miroku gebaut. In amerikanischen Foren oft als "Japchester" belächelt, ist die Verarbeitungsqualität herausragend und besser als bei jeder je in New Haven gebauten Winchester.

Das Short Rifle unterscheidet sich vom Carbine durch eine halbmondförmige Schaftkappe und einer Abschlusskappe anstelle des Bandes am Vorderschaft. Das Magazinrohr ist mit einem Schwalbenschwanz mit dem Lauf verbunden, beim Carbine ist es ebenfalls ein Band.

Hier neben meiner Henry Big Boy.
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Die Brünierung ist am ganzen Gewehr absolut makellos, das geölte Holz sauber eingepasst, der Vorderschaft hat allerdings minimal Spiel. Bisher hat es mich nicht gestört, es sollte aber bei Bedarf schnell behoben sein. Trotzdem müsste das bei dem Preis und der übrigen Verarbeitung eigentlich nicht sein. Das ist aber der einzige Mangel, den ich trotz intensiver Begutachtung finden konnte. Ich hatte selten so ein makkelloses Gewehr in Händen.
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Die Visierung besteht aus einem Buckhorn-Visier mit Treppchen. Es rastet sauber ein und verstellt sich nicht durch den Rückstoß wie manchmal bei den Rossis. Gewinde für ein Diopter sind am Schaftrücken bereits vorgebohrt.
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Der Unterhebel kann wie beim Original zum Transport arretiert werden, man sollte jedoch nicht vergessen, dass dadurch die Abzugssicherung deaktiviert wird. Eine nachgerüstete manuelle Sicherung wie beim aktuellen Model 1892 gibt es hier zum Glück nicht.
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Die erwähnte Abzugssicherung gibt den Abszugsbügel erst frei, wenn der Repetierhebel anliegt. Das verhindert ein Zünden der Patrone, bevor der Verschluss verriegelt ist. Durch Ausbau dieser Sicherung kam es bei CAS-Bewerben gelegentlich zu Zündungen, bevor der Kniehebel über dem Totpunkt war, was zu einem verbogenen Repetierhebel und im schlimmsten Fall zu Hand-/Fingerverletzungen führen kann.
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Der Staubschuzdeckel kann manuell geschlossen werden, öffnet beim ersten Repetieren automatisch und bleibt dann offen. Auch dieses Feature ist originalgetreu und wurde beim Model 1873 eingeführt, nachdem das Model 1866 oben noch offen war.
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Der Zuführer aus Messing ist im Gegensatz zum Original leicht asymetrisch angeschliffen, damit die leeren Hülsen nach rechts zur Seite ausgeworfen werden. Das funktioniert ausgezeichnet.
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Bei der Schlagbolzenverlängerung wurde eine zusätzliche Sicherung eingebaut, die es beim Original nicht gab. Diese soll verhindern, dass durch zu heftiges Repetieren eine Patrone durch Massenträgheit des Schlagbolzen gezündet werden kann, indem eine kleine Verriegelungwarze, die aus der Verlängerung steht (auf dem Foto sichtbar), in eine Ausnehmung im Gehäuse greift. Wenn der Hammer auf den herausstehenden Stift am Ende der Verlängerung trifft, klappt die Verrieglungswarze über einen Hebelmechanismus ein und gibt den Schlagbolzen frei. Wie zuverlässig das auf Dauer ist wird sich zeigen, es gibt allerdings bereits Verlängerungen ohne die Sicherung im Zubehörmarkt.
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Das Kaliber ist wie beim Original auf der Unterseite des Zuführers eingeschlagen. Ich habe mich aus praktischen und Kostengründen für .357/.38 entschieden.
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Durch Abnehmen der Seitenplatten gibt man den Kniehebelmechanismus frei. Die Teile sind CNC-gefräst und absolut spielfrei eingepasst. Wichtig ist dabei, dass die Teile formschlüssig aneinander anliegen und der Bolzen nur als Drehpunk dient. Der schwarze Finger bewegt den Messingzubringer nach oben und unten, die beiden silbernen Blattfedern arretieren diesen in der jeweils oberen und unteren Position.

Im Internet kursiert das Gerücht, dass dieser Verschluss das Kaliber .357 auf Dauer nicht aushalten wird und frühzeitig verschleißt, weil das Original von 1873 ausschließlich für schwächere Schwarzpulverpatronen ausgelegt war.

Ich habe mich tagelang damit befasst, es wurde viel mit Drücken und Schubkräften herumgerechnet und spekuliert, ich habe jedoch keinen einzigen sachlich belegten Bericht oder gar Fotos von verschlissenen Kniegelenken gesehen und auch ein deutscher Büchsenmacher der sich mit Westernwaffen beschäftigt, konnte mir bestätigen, dass es zwar anfangs Brüche bei einigen Ubertis gab, seit 10 Jahren jedoch keine Probleme mehr in Kombination mit .357 Magnum aufgetreten sind und Uberti mittlerweile ein Model 1873 im Kaliber .44 Magnum anbietet.

Somit bin ich zum Schluss gekommen, dass man Gussteile aus Eisen (bis 1884) nicht mit modernen Stählen vergleichen kann und die Verriegelungsfläche bei der Henry im selben Kaliber sogar noch kleiner ist. Wenn hier Verschleiß auftritt, dann meiner Meinung nach eher durch Reibung der Gelenke bei zu wenig Schmierung.
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Preislich bewegt sich die Winchester im Bereich 1500,-€ und kostet somit das Doppelte einer Rossi. Letztere funktionieren meistens auch sehr gut, allerdings ist die Verarbeitung oft recht schaurig. Meiner Meinung nach sind beide Gewehre ihr Geld wert oder wie die Amis sagen würden "you get what you pay for".

Ich kann dieses Gewehr somit uneingeschränkt empfehlen, allerdings haben Unterhebelrepetierer die Eigenschaft, dass sie sich auf Dauer vermehren. :lol:
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Re: Winchester Model 1873 Short Rifle (Miroku-Fertigung)

Beitragvon spareribs » Sa 3. Nov 2018, 16:20

Danke für den Bericht......scheinbar sind die Japaner immer noch Qualitätsware, obwohl bei den Autos heutzutage schon ein Nachlassen der Qualität zu spüren ist ...
Bruder Fre vom Orden der barmherzigen GLOCKen Brüder :-)
Ich liebe unsere Politiker..............wenn sie in Pension sind ! :mrgreen:

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Re: Winchester Model 1873 Short Rifle (Miroku-Fertigung)

Beitragvon The_Governor » Sa 3. Nov 2018, 16:43

spareribs hat geschrieben:Danke für den Bericht......scheinbar sind die Japaner immer noch Qualitätsware, obwohl bei den Autos heutzutage schon ein Nachlassen der Qualität zu spüren ist ...


Solange VW bei der ADAC-Pannenstatistik nicht nachhilft, sind sie immernoch auf Platz 1. ;)

Ich habe momentan geschäftlich mit Japanern zu tun. Diese arbeiten extrem genau, haben eine Art Ehrenkodex und sind stets bedacht, ihre Arbeit so perfekt wie möglich auszuführen. Eine richtige Leistungsgesellschaft, Fehler geben sie nur ungern zu. Es gibt bestimmt Ausnahmen, aber die Mentalität geht in diese Richtung und das merkt man an der abgelieferten Ware.

Mir scheint, bei denen gibt es die typischen Qualitätsschwankungen weniger, wie bei den Amis, wo einfach alles zusammengebaut wird und man 10-15% (?) Rückläufer in Kauf nimmt, bevor man sich die Dinger zweimal anschaut.

Wäre beim Model 1892 nicht diese neumodische manuelle Sicherung und der zurücksetzende Hammer, würde ich mir diese ebenfalls noch kaufen.
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Re: Winchester Model 1873 Short Rifle (Miroku-Fertigung)

Beitragvon sauersigi » Sa 3. Nov 2018, 17:02

Darf man erfahren wo du diese Schönheit gekauft hast?
Meine Original Winchester aus New Haven ist auch sehr fein gearbeitet, eine Browing made by Miroku ist wie von dir beschrieben makellos gefertigt.
Danke für den Bericht...
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Re: Winchester Model 1873 Short Rifle (Miroku-Fertigung)

Beitragvon The_Governor » Sa 3. Nov 2018, 17:06

sauersigi hat geschrieben:Darf man erfahren wo du diese Schönheit gekauft hast?
Meine Original Winchester aus New Haven ist auch sehr fein gearbeitet, eine Browing made by Miroku ist wie von dir beschrieben makellos gefertigt.
Danke für den Bericht...


Ein örtlicher Händler hat sie über den Duke in Deutschland bezogen. Miroku hat damals für Browning das Model 1892 hergestellt, damals noch ohne die Sicherung. Das sollen die feinsten 1892er sein, die je gebaut wurden.
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Re: Winchester Model 1873 Short Rifle (Miroku-Fertigung)

Beitragvon rhodium » Sa 3. Nov 2018, 23:12

Sehr schönes Stück. Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung.

Eine Frage: werden alle Winchester bei Miroku gefertigt? Vielen US-Waffen sagt man ja gute Qualität bis in die 70er nach ... dann war diese eher mau. Wann hat Winchester da umgestellt?
“Das Gegenteil von rechts ist nicht links, sondern frei.”

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Re: Winchester Model 1873 Short Rifle (Miroku-Fertigung)

Beitragvon The_Governor » Sa 3. Nov 2018, 23:25

rhodium hat geschrieben:Sehr schönes Stück. Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung.

Eine Frage: werden alle Winchester bei Miroku gefertigt? Vielen US-Waffen sagt man ja gute Qualität bis in die 70er nach ... dann war diese eher mau. Wann hat Winchester da umgestellt?


Soweit ich weiß werden alle historischen Unterhebler in Japan gefertigt.

Auf der Homepage von Winchester wird ausführlich auf deine Frage eingegangen:

http://www.winchesterguns.com/support/f ... -move.html

The entire factory was occupied with production of these products with no excess capacity available and without any additional tooling in place. It would have been nearly an impossible feat to retool for any of the old, out-of-production products. Much less to manufacture or source all parts needed and to build all new assembly lines for each model in the already over-crowded factory.

The obvious solution was to take advantage of the existing expertise and experience found at the Miroku factory. Taking a Winchester product overseas for production is not a decision made lightly. Given the situation, the timing was perfect. The idea of Winchester sourcing products overseas was not without precedent. The Winchester company of the 1960s had experience with building the Model 101 in Japan. The 101 was a fine over and under and was well accepted by gun writers and the in the marketplace.

At this point, the decision was made and the plan came together naturally.

But production continued on all the historic rifles that were being produced in Japan. This not only kept the legend alive, but the quality of the Miroku made rifles was considered exceptional and in some cases higher than the quality of any production grade Winchester rifles made in the early 1900s.


Es ist schade zu beobachten, wie die Qualität der großen Marken langsam den Bach hinunter geht. Ich denke da speziell an Remington, Marlin, Smith & Wesson. Ruger scheint sich noch einigermaßen zu halten, was die Qualität angeht, es sei denn ich hatte bei meiner besonderes Glück.
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Re: Winchester Model 1873 Short Rifle (Miroku-Fertigung)

Beitragvon The_Governor » Fr 9. Nov 2018, 23:17

Kleines Update:

Die Winchester führt sowohl .357 Magnum als auch .38 Special absolut problemlos zu. Ich dachte erst, die 38er könnte wegen der kürzeren Patronenlänge Probleme machen, aber man merkt keinen Unterschied. Es ist eine flache Rampe im Zubringer, die die nächste Patrone beim Hochfahren einfach wieder zurück ins Magazin drückt. Außerdem ist man mit den 38ern sehr viel schneller. Es macht einfach unheimlich viel Spaß, damit zu schießen, vor allem weil die Mechanik butterweich ist.

Einziger kleiner Nachteil: Die Hülsen fliegen einem entweder ins Gesicht, in den Kragen oder in den Nacken, aber selten gleich zu Boden. :lol:
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Re: Winchester Model 1873 Short Rifle (Miroku-Fertigung)

Beitragvon Gunsmoke Joe » Mi 5. Dez 2018, 16:07

The_Governor hat geschrieben:Kleines Update:

Die Winchester führt sowohl .357 Magnum als auch .38 Special absolut problemlos zu.
.......................
Einziger kleiner Nachteil: Die Hülsen fliegen einem entweder ins Gesicht, in den Kragen oder in den Nacken, aber selten gleich zu Boden. :lol:

Dann weißt Du jetzt, wie es im Wilden Westen zu der Mode mit den großen Hüten kam.... :-o

GSJ


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