Mann muss ja auch mal schauen, ob er es noch kann. Ich bin ja jetzt auch schon in die Jahre gekommen und man hat mir den 2fachen Opa aufgestempelt. Zeit für mich ist sehr mangelhaft vorhanden. Auch beruflich zählt man „noch“ auf meine Erfahrung und setzt mich entsprechend zeitaufwendig ein.
Ein paar Stunden konnte ich mir heute „frei schaufeln“. Die Disziplin fährt mit. Ein Begleiter, den ich schon länger kenne. Also das wird schon …
Zum Einsatz kam die Sig Sauer Supertarget (aus deutscher Produktion) Sechs Zoll, damit mir die Distanz entgegen kommt

und eine Glock45, die Bewegung brauchte.
Waren die 20m vor Monaten auch schon so lang? Safety first, also ich nehm die 15m Hürde.
Feuer frei…den Rest hab ich im Blut.
Treffer 1 - gerade noch eine Neun
Treffer 2-3-4 - was wird das
Kopfhaltung? Hab ich überhaupt einen Standaufbau gemacht? Mach ich hier überhaupt was oder tue ich nur?
Der Eiertanz setzt dich fort. Diese Disziplinlosigkeit zerrt wie wild an meinem Nervenkostüm. Abgeschossen und nicht nur den Vogel. Nach 3Minuten war alles vorbei. Ich setze mich erstmal, bevor ich den Tatsachen ins Auge blicke. Trotz der Schmach, treibt es mich dann doch zum Scheibenwechsel. Ein Desaster. Selber Schuld. Das muss so nicht enden.
Mir ist bewusst, dass meine Konzentrationskurve - aufgrund mangelndem Training - sehr kurz sein wird. Ich möchte am Hochpunkt dieser Kurve abschließen und den persönlichen Erfolg mit Heim nehmen. Also, an die Arbeit.
Standaufbau, Atmung, Kopfhaltung und den Rest meines Rituals. Tiefe ruhige Atemzüge, meine Augen brauchen Sauerstoff.
Treffer 1 - Hmmm, aber gut abgekommen, ein wenig mehr auf das Timing aufpassen
Treffer 2 - so geht das.
Treffer 4-5-6-7 - alles nimmt Form an, es wird leicht
Treffer 8-9 - mein Auge pendelt zwischen Korn und Scheibe, die Schussabgabe dauert zu lange
Treffer 10 - ist die Konsequenz aus 8-9, das Pendeln nicht unter Kontrolle gebracht, gefolgt von einer fehlerhaften Kopfhaltung (Kopfbewegung nach oben)
Nach 10Schuss und knapp 15Minuten … ich bin sehr zufrieden und erleichtert. Die zwei Neuner hätte es nicht gebraucht. Nicht jammern. Ich reduziere auf 10m. Voller Einsatz und dann Heim.
10Minuten Pause, die brauch ich jetzt. Vorbereitung, zehn Meter, selbes Ritual.
Treffer 1 - o.k. ich kenn mich aus, der Haltepunkt der Visierung ist ja jetzt ein anderer
Treffer 2 - ja, so wird das was
Treffer 3-4-8-6-7-8 - so kann das, ich merke jedoch, dass die Konzentration nachlässt
Treffer 9-10 - das war zu erwarten, hätte aber nicht sein müssen.
Ich bin im Reinen mit mir. Damit die Glock auch noch laufen darf, schenk ich ihr 2x 5Schuss. Eine Pause wird mir gut tun und der Glock hoffentlich die notwendige Anerkennung.
Zehn Meter Feuer frei …
Treffer 1 - komplett anderes Visierbild, da ist ja ein heller Punkt am Korn, jo ich erinnere mich, also korrigieren
Treffer 2 bis 10 - ich wollte nicht mehr nach jeden Schuss durch das Spektiv sehen, bin sehr gut abgekommen, toll gearbeitet
So jetzt Heim, das alles nehm ich mit.
Fazit:
Sich für das Treffen Zeit zu nehmen, zahlt sich aus. Wenn man Kenntnis vom Hochpunkt seiner Konzentrationsphase hat, sollte man zum richtigen Zeitpunkt aufhören und den Erfolg mitnehmen. Wenn man wert auf Präzision legt, dann muss der Schützentag mit einem Erfolg abgeschlossen werden. Wie hoch, wieviel der Erfolg sein soll, ist eine individuelle Sache und richtet sich immer nach dem Können, dem Talent und Intensität der Arbeit. Vor, während und nach der Schussabgabe. Das klappt - zugegebenen - nicht immer. Wichtig hierfür ist immer die Beobachtung der einzelnen Treffer. Die Analyse eines Treffers - ob gut oder schlecht - beginnt bereits unmittelbar nach Auftreffen des Schlagbolzens auf das Zündhütchen.
Zum Schluss …
Weil ich es vor kurzem wieder einmal gelesen hatte. „Welche Munition soll ich nehmen … welche ist präziser“ usw.
Der letzte Faktor, der beim präzisen Treffen einer Änderung bedarf, ist die Munition! Wenn für jemanden die gefühlt 100 Faktoren - die Einfluss auf einen präzisen Treffer haben - in Fleisch und Blut übergegangen sind, dann macht es im vollem Umfang Sinn sich um die geeignete Munition zu kümmern.
Der große Teil der Schützen kann einen Unterschied des Trefferbildes bei verschiedener Munitionssorten - mangels Kenntnis der vielen anderen Faktoren - nicht erkennen. Hier wirkt ein Munitionswechsel kontraproduktiv. Ein Trugschluss, der am Ziel vorbei geht.