Bericht Quigley Match 2026 Slowakei
Verfasst: Mo 21. Sep 2026, 20:35
SPOILER
Gewonnen habe ich nicht.
Wer nun erleichtert aufatmet, weil damit die Geschichte ihr Ende gefunden haben könnte, irrt. Beim Schießen mit der Schwarzpulverpatrone entscheidet nicht allein das Ergebnis über den Wert eines Tages. Oft beginnt die eigentliche Erzählung erst dort, wo die Ringzahl endet.
Denn zwischen Pulverrauch und Zielscheibe liegen Welten. Da sind die kleinen Irrtümer, die sich wie Sandkörner ins Uhrwerk schleichen. Da ist die Geduld, die man sich Schuss für Schuss verdienen muss. Und da ist die eigentümliche Hartnäckigkeit dieser Disziplin, die einem nie ganz gehört und einen dennoch nicht mehr loslässt.
Wer mehr erfahren möchte, den lade ich ein, mich auf eine weitere Reise in die Welt der Schwarzpulverpatrone zu begleiten. Eine Reise durch Erfolge und Fehlschüsse, durch Erkenntnisse und Fehlannahmen, durch Momente stiller Präzision und gelegentlicher Selbstüberschätzung. Zwischen erstem Schuss und letzter Erkenntnis liegen oft mehr Irrtümer als Treffer.
Los geht es … der Rauch hat sich noch nicht verzogen.
EINLEITUNG
Manchmal stelle ich mir die Frage, ob der Schießsport für mich bereits „abgearbeitet“ ist. Die private Situation lässt mir weniger Zeit für meine Passion und oft bin ich es selbst, der die spärliche Zeit nicht für dieses Hobby nutzt. Sobald ich der Scheibe wieder meinen Stempel aufdrücke, erkenne ich den Wert, den ich erarbeitet habe. Ich erkenne auch, was noch zu schaffen ist und welche Arbeit noch vor mir liegt. Es sind weniger die Erfolge um Plätze ganz oben. Vielmehr ist es das noch unerreichte Wissen, dass mich vorwärts treibt ohne die Vergangenheit hinter mir zu lassen. Die ausgezeichneten Ergebnisse gäbe es nicht ohne die demütigenden Niederlagen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich dieser Sport noch immer fesselt.
Der Weg zum Treffer ist oft interessanter als der Treffer selbst.
ANKUNFT
Wie jedes Jahr Anreise bereits am Freitag. Kollegen treffen, Plaudern und die Long Shot Schützen beim Training beobachten.
Die Anfahrt zur Range hatte wieder eine Überraschung parat.
Ich sollte es besser wissen und dennoch wollte mir die ausgetrocknete Paratethys-See ein Willkommensgeschenk machen. Beim Einfahren in das Militärgelände fiel mir sofort auf, dass der sandige Weg durch den Wald mit einer sehr groben Schottertragschicht aufgeschüttet wurde. Ahhhh, kein Sand, das wird einfach … Schießplatz ich komme. Nach 40m im kurvenreichen Gelände war Schluss mit Schotter. Nochmals bleib ich nicht stecken wie 2025. Ich kam gut voran und kurz vor einem Hügel, erkannte ich bereits das Problem. Zu viele Fahrrinnen, Sand sehr locker. „McMonkey du musst die Automatik auf Handschaltung umstellen und Gas geben.“ Und los ging es. Berg auf merkte ich schon, mit dem 3Dritten Gang wird das nichts. Ich Trottel hatte auf Automatik eingestellt lassen. „Wenn ich jetzt noch Gas gebe, grabe ich mich wieder ein“. Ich ließ das Fahrzeug ohne Zutun zum Stillstand kommen. Handbremse, Aussteigen und mal schauen. Mein Blutdruck war zu hören. Scheißdreck! Mit dem Retourgang konnte ich mich glücklicherweise aus der Situation befreien und 20m in einen sicheren Bereich zurücksetzen.
Jo, da stand ich nun. Vom Trauma Eingraben hatte ich die Schnauze voll. Augen zu und durch. Starten, Handschaltung eingestellt, Gas, 2te voll. Eine irrer „Ritt“ über den Sand. Unbeschadet erreichte ich den betonierten Abschnitt zum Schießplatz. „Brauch, so etwas nicht mehr.“ Ich fahre wieder mit einem Kollegen und Allrad durchs Gelände. Nicht meine Welt. Einmal stecken bleiben ohne Handy Empfang war Erfahrung genug.
LONG RANGE

TRAINING
Fünfzig Stk. Munition standen zur Verfügung und warteten auf meinen Befehl sich in Bewegung zu setzen. Der kurze nächtliche Regen ließ die Luftfeuchtigkeit zu Trainingsbeginn um die 60% steigen. Ein guter Wert für meine Idealeinstellungen am Diopter.
Bereits beim ersten Ziel auf 320m, stellten sich Probleme ein. Obwohl hochmotiviert, fiel mir das Treffen nicht leicht. Abwechselnd Treffer und Fehlschüsse. Es lief einfach nicht rund. Eigentlich „augenscheinlich“ verzettelte ich mich in Timing Probleme, Kopfhaltung und in gefühlt noch 5 weiteren möglichen Fehlerquellen. Die ersten zwei Schüsse hatten doch bereits das richtige Feedback gegeben, ich wollte es nur nicht sehen. Es waren die Augen. Welch kognitive Verzerrung man sich hingeben kann.
Das Ringkorn war einfach nicht scharf zu stellen. Eine knappe Sekunde und es versank im Nebel meiner Fehlsichtigkeit. Diese hatte sich bereits vor Monaten angekündigt. Das geht schon noch. Ja wie lange hat mir mein Auge nicht mitteilen wollen. Ich hatte die Zeit für eine Korrektur beim Sportoptiker einfach verschlafen und ich wollte die Zunahme der Problematik auch gar nicht erkennen. Keine Besserung auf das zweite Ziel in 370m Entfernung. Es war noch früh und ich esse morgens nicht. Also erstmal was Naschen vielleicht regt das irgendetwas an, was auch immer … ich will nur „Sehen“.
Das dritte Ziel auf 485m war im vergangenen Jahr eine Katastrophe. Katastrophe, weil mein Lieblingsziel und eigentlich eine sichere Bank. Scheinbar gab mir das fehlerhafte Auge eine Chance. Mühelos warf ich das 430grain schwere Reinbleigeschoss auf die Metallscheibe. Eines nach dem anderen. Bingo … ich war wieder da. Entschlossenheit kam auf und so wollte ich die Trainingsschüsse auf die vorangegangen zwei „miesen“ Ziele wiederholen.
Na, was soll ich sagen. Treffer, Treffer, Treffer und so fort. Ein wilder indigener Tanz, war sinnbildlich ein langsamer Walzer. Mit diesem Freudentaumel startete ich auf die rechte Seite zu den restlichen Zielen.
Die intensive Wiederholung der Schüsse auf der linken Seite kostete mich jedoch Munition, die ich eigentlich für den Büffel verwenden wollte. Der ist seit mehr als zwei Jahren defacto nicht zu Treffen. Also „ich“ treffe ihn nicht und verpatze mir damit meine Treffer Gesamtanzahl. Nun doch wieder weniger Trainingseinheiten auf das „Getier“.
Weiter mit dem Diamant 370m und das Octagon in einer Entfernung von 548m. Bei beiden Zielen hatte ich einen „Lauf“ sondergleichen. Auge gut, Timing perfekt. Ich war im Reinen mit mir, als ob ich eine eidesstattliche Erklärung bei meiner Lebenspartnerin abgegeben hätte. Ich heftete mich nicht länger als nötig an diese zwei Ziele. Damit hatte ich wieder Munition für den Büffel aufgespart. Nur Neun Stück, aber immerhin. Es war Zeit auf die Jagd zu gehen.
Büffel 736m
Meine Anspannung war groß, meine Erwartung eher klein gehalten. Erster Schuss … der Spotter meldete „mittig, jedoch ein Ticken zu kurz“. Ich half der Spindel mit einer halben Umdrehung. Zweiter Schuss … TREFFER - Dritter Schuss Treffer. Jedes Mal, wenn der Büffel sich in meinem Ringkorn zentrierte, traf ich den metallenen Paarhufer. ACHT Treffer in Folge …so sollte das immer laufen. Der Bann war gebrochen. Zwar nur im Training, aber dieser persönliche Erfolg war sehr wichtig für mich. Mit diesem Trainingsergebnis hatte ich bereits alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte. Das Match würde andere Voraussetzungen auf Lager haben. Das kannte ich schon und ich war mir sicher, dass der morgige Tag die Karten neu mischen würde.
Zwei Mann, ein Treffer. Der Spotter - das wichtigste Auge.

Match
Wolkenlos, warm und trocken. Und genau diese Trockenheit sollte einen - von mir unterschätzten - Faktor ins Spiel bringen, … die Innenballistik.
Aber von Anfang an.
(Diesen Teil schreibe ich in der Gegenwartsform)
Auf zum ersten Ziel. Ich übernehme die Einstellungen am Diopter vom Vortag. Das muss passen. Die Sonne flutet diesen Teil des Geländes noch nicht zur Gänze. Das kommt mir zugute, steht doch mein Endgegner vor mir.
Ziel #1
Der Bucket 320m stehend frei
Wie immer, reicht mir ein Treffer. Für mein Kampfgewicht ist die Erdanziehung beim Stehendschießen einfach zu stark. Diese Disziplin muss richtig und sehr intensiv geübt werden, um entsprechend und oft zu treffen.
Die ersten 5Schüsse setze ich in die Landschaft. Spät aber doch komme ich in einen Rhythmus und treffe. Da ist er … erledigt. Mein Kreuz meldet sich heftig und so fehle ich den 7Schuss. Komm alter Mann, vielleicht geht noch was. Das Ziel hastet sprunghaft in mein Ringkorn, aber nicht um zu bleiben. Der berüchtigte Eiertanz. Ich entscheide mich, die pendelnde Kreisbewegung links zu beginnen und diese von rechts kommend zu schließen. Haaaaa Blödsinn ,… das 6Kilo schwere Gewehr macht natürlich, was es will mit mir. Aber nicht ganz zufällig bekomme ich nochmals eine Chance. Da ist er wieder der Bucket. Ich hab ihn nicht gesucht, er hat mich gefunden. Den Moment nutze ich und gebe den Hahn frei. Die akustische Rückmeldung kommt schnell … Treffer. „Der sitzt, Pipifein“.
Ziel #2
Retangle1 - 381m
Trotz der beiden Treffer am ersten Ziel, macht sich plötzlich Unruhe breit. Es gibt keinen Grund nervös zu sein. Ich denke an die Augenprobleme vom Vortag. Das macht es jetzt nicht besser. Bereits der erste Schuss zeigt nicht nur Fehl, sondern meldet prompt zurück, dass mein Timing einfach nicht passt. Auch die Schärfe des Ringkorn ist nicht optimal. Mir wird warm und die Sonne tut, was sie kann und nicht zu wenig. Es ist einfach kein Treffer in Sicht. Nur die Ruhe. Mit viel Mühe schaffe ich noch 3 von 8 möglichen Treffern. Ein innerer Druck beschwert den Geist. Sehr bitter.
Ziel #3
Retangle2 - 485m
Das Serviceteam nimmt Arbeiten an den Zielen vor. Diese Zeit nutze ich, um mich mental zu erholen. Ich lege die Verbissenheit zu Treffen ab und konzentriere mich auf meinen Ablauf. Es geht los.
McMonkey…Go
Ein fast perfekter Ablauf, ich merke, dass ich haarscharf, links das Ziel verpassen werde. Da kommt auch schon die offizielle Meldung - „MISS“. Nicht schlimm, das stecke ich weg. Ich spüre, dass dieses Ziel vor meinen Füßen liegt.
McMonkey…Go - HIT
Konsequent arbeite ich jeden Schuss ab. Nichts bringt mich aus der Ruhe. Jeder Laut, wird von meiner inneren Stille übertönt. Ich schließe diese Distanz mit 6Treffern ab. Dies macht Mut für die rechte Seite der Range. Es warten noch drei anspruchsvolle Ziele. Ich kenne sie und ihre Tücken und ich werde sie neu kennenlernen … müssen
PURISMUS

Ziel #4
Diamant - 370m
Nach der Mittagspause, der Wechsel auf die rechte Seite. Es ist inzwischen sehr heiß, um die 30Grad und nur noch 30% Luftfeuchtigkeit. Ein Ziel das einem viel Arbeit abverlangt. Starte hochkonzentriert. Alles läuft perfekt, nur ich treffe nicht. Die Laufwärme nimmt zu. Ich blase nach jedem Schuss intensiv Atemluft über einen Blow Tube ein, damit die Schwarzpulverrückstände weich bleiben. Ich merke keine Fehlerquelle meinerseits. Kein Treffer. Der Diamant steht hinter einem Hügel. Das schränkt die Analyse des Fehlschusses für den Spotter erheblich ein. Ahhhhhh, denk nach. Ich lasse das Einblasen und wische mit einem Patch durch den Lauf. Verkrustungen, das „Fouling“ passt nicht mehr. Durch die hohe Tages- und Lauftemperatur ist das Einblasen ein sinnloses Unterfangen. Rückblickend hätte ich frühzeitiger reagieren müssen. Aufgrund der starken Fokussierung auf die Außenballistik, habe ich der Innenballistik fälschlicherweise eine zu geringe Bedeutung beigemessen. Das Ziel ist durch. Auch der letzte Schuss kein Treffer. Augenblicklich wird mir eine Last von den Schultern genommen. Es ist in Ordnung…es ist wie es ist.
Ziel 5
Octagon - 548m
Das Octagon. Ein großes Ziel, aber weit entfernt. Hier offenbaren selbst die kleinsten Fehler ihre ganze Wirkung. Auch dieses Ziel hat mich schon mal zur Verzweiflung gebracht. Die Hitze ist fast unerträglich. Das Fouling im Lauf wird immer schneller härter. Das Einblasen meines Atems zeigt – wie bei beim vorangegangenen Ziel zu sehen war – keine Wirkung mehr. Ich entscheide mich, nach jedem Schuss durchzuwischen. Nicht all zu feucht, aber in jedem Fall wischen.
McMonkey Go …
In der Gleichgültigkeit verliert die Welt ihre Schärfe. Übrig bleiben das Ringkorn, das Ziel und das vertraute Ritual. Ohne Hast, ohne Zweifel fügt sich Bewegung an Bewegung, bis …Treffer…HIT
Es ist so einfach. Das Ziel steht da, unbewegt und ehrlich. Erst der Zweifel verfehlt es, nicht der Schuss. Und so setze ich dem Ziel ein stilles Zeichen meiner Gegenwart. Sieben Treffer in Folge. Eine kleine Unachtsamkeit im Timing kostet mich ein „Full House“. Ich bin sehr zufrieden und erleichtert. Am Ende geht oft mehr, als man anfangs zu hoffen wagte.
Ziel #6
Büffel - 736m
Der Büffel und ich sind keine Freunde, aber wir nähern uns einander an. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass er noch immer in 800yard auf mich wartet.
Die Treffer am Trainingstag, versuchen Druck aufzubauen. Mir ist bewusst, dass der Büffel ein harter Gegner bleiben wird. Mit der nötigen Gelassenheit stelle ich meinen Diopter ein, wische den Lauf frei und warte auf das Kommando. Die Sonne steht tief, meine Sitzposition ist nicht ideal.
McMonkey Go …
Ich setze die ersten vier Versuche in den Sand. Stets mittig, jedoch zu hoch. Die Höhenkorrektur an der Spindel ist zu zaghaft ausgefallen. Ich entscheide mich beim fünften Versuch, den Haltepunkt - ohne Spindelkorrektur - einen Ticken tiefer zu setzen. Ein No-Go auf diese Distanz, aber ich will jetzt Treffen und vertraue auf meine Intuition. Ich nutze zusätzlich die beiden horizontalen Balken des Ringkorns und mein Gefühl. Der Schuss bricht, ich komme perfekt ab. Es sind lange 4Sekunden bis zur Rückmeldung. Schnapsidee oder … GONG! HIT - Treffer. Der Spotter meldet mir den Trefferpunkt … Genau mittig. Der Sound, wenn das 430grain schwere Reinbleigeschoss auf die Metallsilhouette trifft, ist prägend und gibt einem ein unbeschreibliches Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Ich setze hochkonzentriert noch zwei weitere Treffer und bleibe meinem Trefferbild treu. Der Streukreis … wie ein sehr großes Steak .. Büffel Steak. Den letzten Schuss setze ich wieder mittig, aber zu tief. Mit 3 Treffern bin ich zufrieden. Eigentlich sehr zufrieden. Ich kann es ja und das habe ich dem Getier auch heute gezeigt. Für mich ist die Show gelaufen …
aber ein Bericht lebt von vielen Aspekten und nicht nur von den eigenen Erfolgen oder Misserfolgen.
Ich möchte eine für mich großartige Leistung nicht unerwähnt lassen. Es sind Momente wie diese, an die ich mich gerne erinnere.
Ein Kollege aus unserer jährlichen Team-Clique, hatte bereits am Trainingstag mit hervorragenden Treffern und engen Streukreisen aufgezeigt. Es war sein Tag und das wollte er beim Match auch voll umsetzen. Da Jens - aus Deutschland - immer gleichzeitig mit meinem Buddy an der Reihe war, blieb mir - als Spotter - seine Treffergenauigkeit nicht verborgen. Keine Distanz konnte seinen Ehrgeiz zähmen. Er hatte einfach eine tollen „Lauf“.
Nun Training und Match sind nicht nur linguistisch zwei verschiedene Dinge, sondern auch nicht am selben Tag. So kann für einen „Trainingsweltmeister“ – warum denke ich gerade an mich … - ein Match zum Fiasko werden. In unserer Sparte nicht nur wegen der Tagesverfassung, sondern auch wegen wechselten Wetterverhältnissen.
Bei den Treffern im Match auf der linken Seite – 320-381 und 485 – war bereits abzusehen, dass er seine Konzentration und seine Korrekturen am Diopter voll im Griff hatte. Die Luftfeuchtigkeit sank im Laufe des Tages extrem und hier hatte er ganz klar „die Nase vorn“. Kurz vor dem Start zum letzten Ziel dem Büffel auf 736m, konnte er 26Treffer vorzeigen. Mit meinen 33Treffern 2023 führte ich die inoffizielle Wertung in unserer Clique an. Acht Schüsse lagen noch vor ihm. Acht Treffer für ein neues Bestergebnis. Er konnte es und vor allem er wollte es. Nicht wegen mir oder der Cliquenwertung. Er wollte es, weil er die letzten Jahre so sehr gekämpft hatte über die 30iger Marke zu kommen. Ein höchst persönlicher Anspruch.
Jens startet so wie er voran gegangen aufhörte.
Treffer # Treffer # Treffer # Treffer # Treffer # Treffer # MISS. Mit einer unglaublichen Leichtigkeit beim letzten Ziel, hatte er die 30iger Marke überschritten. Ein flüchtiger Augenkontakt mit mir. Er wusste, dass er nur noch eine Möglichkeit hatte um meinen Erfolg einzustellen.
OT - McMonkey: „Jens, komm gib nochmals alles. Du schaffst das“. Ein entschlossenes Nicken von seiner Seite, da kam das Kommando.
„Jens Go …“
30 Sekunden Zeit für diesen letzten Schuss. Ruhig kam seine Wange auf dem Schaft zur Ruhe.
Ein tiefer Atemzug ließ ihn ein letztes Mal aufbäumen, bevor er in die stoische Ruhe eintauchte, die ihn von allem Äußeren löste. Jens hielt auch nicht lange Inne. Er wollte es, jetzt und ohne langes Fackeln „brach der Schuss“. Endlos lange Sekunden, dann war die Angelegenheit in „trockenen Tüchern“. GONG. 33Treffer und damit mein Ergebnis eingestellt. Seine Mundwinkel reichten den Ohrenfalten die Hände. Es war ihm anzusehen, dass er diesen Moment genoss. Meine Freude über sein Ergebnis und den letzten Treffer, war überschwänglich.
Es war eine Ansage, ein sportliches Statement und er hat sich dieses Ergebnis wahrlich verdient.
BRAVO Jens. Top Leistung. Ich gratuliere zu diesem persönlichen Erfolg!
Fazit:
Trotz meiner „Blamage“ beim Diamanten, konnte ich doch 21Treffer verbuchen. Ein für mich zufrieden stellendes Ergebnis. Wenn ich den Trainingstag noch in meine persönliche Bewertung einfließen lasse, war die Trefferleistung außerordentlich gut. Ohne Trainingsmöglichkeit auf diese Distanzen fällt es schwer, konstante Leistung zu bringen. Fakt ist, ich hatte die sehr geringe Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit dem „Fouling“ im Lauf schlichtweg unterschätzt. Vor lauter Baustellen blieb für das Wesentliche - die Innenballistik - kein Raum. Dieses Thema behandle ich künftig mit entsprechender Gewichtung.
PATHOS
„Dabeisein ist alles“ - und dennoch schwingt die Hoffnung auf Erfolg immer mit. Eine hohe Trefferquote kann wie eine Bremse wirken oder zu weiteren Höhenflügen anspornen. Freud und Leid liegen dicht beisammen und wirken weit über den Moment hinaus. Der Schießsport vereinnahmt mich und zerrt an meinem Nervenkostüm. Wind, Wetter, Innen- und Außenballistik - hochkomplexe Einflussfaktoren. Ihr Zusammenspiel schafft mitunter widrige Umstände, denen nur mit langer Erfahrung beizukommen ist. Auch wenn schwierige Bedingungen mir alles abverlangen, stehe ich mir am Ende selbst im Weg.
Wenn ich in den Tunnel der Konzentration eintauche, fällt alles Überflüssige von mir ab. Zwischen mir und dem Ziel bleibt nur die Stille. Trifft der Schuss, weit draußen, dort, wo der Diopter das Auge an die Grenze des Möglichen führt, gleicht der Augenblick einer stillen Offenbarung. Ein Gefühl unbändiger, triumphaler Zufriedenheit breitet sich aus.
Es ist das Erleben purer, unverstellter Freude, die keinen Beifall sucht, sondern in der Stille ihre tiefste Resonanz findet.
Wieder ein langer Bericht. Danke für eure Ausdauer!
Und nicht vergessen … „Was man nicht tut, geschieht auch nicht“

Gewonnen habe ich nicht.
Wer nun erleichtert aufatmet, weil damit die Geschichte ihr Ende gefunden haben könnte, irrt. Beim Schießen mit der Schwarzpulverpatrone entscheidet nicht allein das Ergebnis über den Wert eines Tages. Oft beginnt die eigentliche Erzählung erst dort, wo die Ringzahl endet.
Denn zwischen Pulverrauch und Zielscheibe liegen Welten. Da sind die kleinen Irrtümer, die sich wie Sandkörner ins Uhrwerk schleichen. Da ist die Geduld, die man sich Schuss für Schuss verdienen muss. Und da ist die eigentümliche Hartnäckigkeit dieser Disziplin, die einem nie ganz gehört und einen dennoch nicht mehr loslässt.
Wer mehr erfahren möchte, den lade ich ein, mich auf eine weitere Reise in die Welt der Schwarzpulverpatrone zu begleiten. Eine Reise durch Erfolge und Fehlschüsse, durch Erkenntnisse und Fehlannahmen, durch Momente stiller Präzision und gelegentlicher Selbstüberschätzung. Zwischen erstem Schuss und letzter Erkenntnis liegen oft mehr Irrtümer als Treffer.
Los geht es … der Rauch hat sich noch nicht verzogen.
EINLEITUNG
Manchmal stelle ich mir die Frage, ob der Schießsport für mich bereits „abgearbeitet“ ist. Die private Situation lässt mir weniger Zeit für meine Passion und oft bin ich es selbst, der die spärliche Zeit nicht für dieses Hobby nutzt. Sobald ich der Scheibe wieder meinen Stempel aufdrücke, erkenne ich den Wert, den ich erarbeitet habe. Ich erkenne auch, was noch zu schaffen ist und welche Arbeit noch vor mir liegt. Es sind weniger die Erfolge um Plätze ganz oben. Vielmehr ist es das noch unerreichte Wissen, dass mich vorwärts treibt ohne die Vergangenheit hinter mir zu lassen. Die ausgezeichneten Ergebnisse gäbe es nicht ohne die demütigenden Niederlagen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich dieser Sport noch immer fesselt.
Der Weg zum Treffer ist oft interessanter als der Treffer selbst.
ANKUNFT
Wie jedes Jahr Anreise bereits am Freitag. Kollegen treffen, Plaudern und die Long Shot Schützen beim Training beobachten.
Die Anfahrt zur Range hatte wieder eine Überraschung parat.
Ich sollte es besser wissen und dennoch wollte mir die ausgetrocknete Paratethys-See ein Willkommensgeschenk machen. Beim Einfahren in das Militärgelände fiel mir sofort auf, dass der sandige Weg durch den Wald mit einer sehr groben Schottertragschicht aufgeschüttet wurde. Ahhhh, kein Sand, das wird einfach … Schießplatz ich komme. Nach 40m im kurvenreichen Gelände war Schluss mit Schotter. Nochmals bleib ich nicht stecken wie 2025. Ich kam gut voran und kurz vor einem Hügel, erkannte ich bereits das Problem. Zu viele Fahrrinnen, Sand sehr locker. „McMonkey du musst die Automatik auf Handschaltung umstellen und Gas geben.“ Und los ging es. Berg auf merkte ich schon, mit dem 3Dritten Gang wird das nichts. Ich Trottel hatte auf Automatik eingestellt lassen. „Wenn ich jetzt noch Gas gebe, grabe ich mich wieder ein“. Ich ließ das Fahrzeug ohne Zutun zum Stillstand kommen. Handbremse, Aussteigen und mal schauen. Mein Blutdruck war zu hören. Scheißdreck! Mit dem Retourgang konnte ich mich glücklicherweise aus der Situation befreien und 20m in einen sicheren Bereich zurücksetzen.
Jo, da stand ich nun. Vom Trauma Eingraben hatte ich die Schnauze voll. Augen zu und durch. Starten, Handschaltung eingestellt, Gas, 2te voll. Eine irrer „Ritt“ über den Sand. Unbeschadet erreichte ich den betonierten Abschnitt zum Schießplatz. „Brauch, so etwas nicht mehr.“ Ich fahre wieder mit einem Kollegen und Allrad durchs Gelände. Nicht meine Welt. Einmal stecken bleiben ohne Handy Empfang war Erfahrung genug.
LONG RANGE

TRAINING
Fünfzig Stk. Munition standen zur Verfügung und warteten auf meinen Befehl sich in Bewegung zu setzen. Der kurze nächtliche Regen ließ die Luftfeuchtigkeit zu Trainingsbeginn um die 60% steigen. Ein guter Wert für meine Idealeinstellungen am Diopter.
Bereits beim ersten Ziel auf 320m, stellten sich Probleme ein. Obwohl hochmotiviert, fiel mir das Treffen nicht leicht. Abwechselnd Treffer und Fehlschüsse. Es lief einfach nicht rund. Eigentlich „augenscheinlich“ verzettelte ich mich in Timing Probleme, Kopfhaltung und in gefühlt noch 5 weiteren möglichen Fehlerquellen. Die ersten zwei Schüsse hatten doch bereits das richtige Feedback gegeben, ich wollte es nur nicht sehen. Es waren die Augen. Welch kognitive Verzerrung man sich hingeben kann.
Das Ringkorn war einfach nicht scharf zu stellen. Eine knappe Sekunde und es versank im Nebel meiner Fehlsichtigkeit. Diese hatte sich bereits vor Monaten angekündigt. Das geht schon noch. Ja wie lange hat mir mein Auge nicht mitteilen wollen. Ich hatte die Zeit für eine Korrektur beim Sportoptiker einfach verschlafen und ich wollte die Zunahme der Problematik auch gar nicht erkennen. Keine Besserung auf das zweite Ziel in 370m Entfernung. Es war noch früh und ich esse morgens nicht. Also erstmal was Naschen vielleicht regt das irgendetwas an, was auch immer … ich will nur „Sehen“.
Das dritte Ziel auf 485m war im vergangenen Jahr eine Katastrophe. Katastrophe, weil mein Lieblingsziel und eigentlich eine sichere Bank. Scheinbar gab mir das fehlerhafte Auge eine Chance. Mühelos warf ich das 430grain schwere Reinbleigeschoss auf die Metallscheibe. Eines nach dem anderen. Bingo … ich war wieder da. Entschlossenheit kam auf und so wollte ich die Trainingsschüsse auf die vorangegangen zwei „miesen“ Ziele wiederholen.
Na, was soll ich sagen. Treffer, Treffer, Treffer und so fort. Ein wilder indigener Tanz, war sinnbildlich ein langsamer Walzer. Mit diesem Freudentaumel startete ich auf die rechte Seite zu den restlichen Zielen.
Die intensive Wiederholung der Schüsse auf der linken Seite kostete mich jedoch Munition, die ich eigentlich für den Büffel verwenden wollte. Der ist seit mehr als zwei Jahren defacto nicht zu Treffen. Also „ich“ treffe ihn nicht und verpatze mir damit meine Treffer Gesamtanzahl. Nun doch wieder weniger Trainingseinheiten auf das „Getier“.
Weiter mit dem Diamant 370m und das Octagon in einer Entfernung von 548m. Bei beiden Zielen hatte ich einen „Lauf“ sondergleichen. Auge gut, Timing perfekt. Ich war im Reinen mit mir, als ob ich eine eidesstattliche Erklärung bei meiner Lebenspartnerin abgegeben hätte. Ich heftete mich nicht länger als nötig an diese zwei Ziele. Damit hatte ich wieder Munition für den Büffel aufgespart. Nur Neun Stück, aber immerhin. Es war Zeit auf die Jagd zu gehen.
Büffel 736m
Meine Anspannung war groß, meine Erwartung eher klein gehalten. Erster Schuss … der Spotter meldete „mittig, jedoch ein Ticken zu kurz“. Ich half der Spindel mit einer halben Umdrehung. Zweiter Schuss … TREFFER - Dritter Schuss Treffer. Jedes Mal, wenn der Büffel sich in meinem Ringkorn zentrierte, traf ich den metallenen Paarhufer. ACHT Treffer in Folge …so sollte das immer laufen. Der Bann war gebrochen. Zwar nur im Training, aber dieser persönliche Erfolg war sehr wichtig für mich. Mit diesem Trainingsergebnis hatte ich bereits alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte. Das Match würde andere Voraussetzungen auf Lager haben. Das kannte ich schon und ich war mir sicher, dass der morgige Tag die Karten neu mischen würde.
Zwei Mann, ein Treffer. Der Spotter - das wichtigste Auge.

Match
Wolkenlos, warm und trocken. Und genau diese Trockenheit sollte einen - von mir unterschätzten - Faktor ins Spiel bringen, … die Innenballistik.
Aber von Anfang an.
(Diesen Teil schreibe ich in der Gegenwartsform)
Auf zum ersten Ziel. Ich übernehme die Einstellungen am Diopter vom Vortag. Das muss passen. Die Sonne flutet diesen Teil des Geländes noch nicht zur Gänze. Das kommt mir zugute, steht doch mein Endgegner vor mir.
Ziel #1
Der Bucket 320m stehend frei
Wie immer, reicht mir ein Treffer. Für mein Kampfgewicht ist die Erdanziehung beim Stehendschießen einfach zu stark. Diese Disziplin muss richtig und sehr intensiv geübt werden, um entsprechend und oft zu treffen.
Die ersten 5Schüsse setze ich in die Landschaft. Spät aber doch komme ich in einen Rhythmus und treffe. Da ist er … erledigt. Mein Kreuz meldet sich heftig und so fehle ich den 7Schuss. Komm alter Mann, vielleicht geht noch was. Das Ziel hastet sprunghaft in mein Ringkorn, aber nicht um zu bleiben. Der berüchtigte Eiertanz. Ich entscheide mich, die pendelnde Kreisbewegung links zu beginnen und diese von rechts kommend zu schließen. Haaaaa Blödsinn ,… das 6Kilo schwere Gewehr macht natürlich, was es will mit mir. Aber nicht ganz zufällig bekomme ich nochmals eine Chance. Da ist er wieder der Bucket. Ich hab ihn nicht gesucht, er hat mich gefunden. Den Moment nutze ich und gebe den Hahn frei. Die akustische Rückmeldung kommt schnell … Treffer. „Der sitzt, Pipifein“.
Ziel #2
Retangle1 - 381m
Trotz der beiden Treffer am ersten Ziel, macht sich plötzlich Unruhe breit. Es gibt keinen Grund nervös zu sein. Ich denke an die Augenprobleme vom Vortag. Das macht es jetzt nicht besser. Bereits der erste Schuss zeigt nicht nur Fehl, sondern meldet prompt zurück, dass mein Timing einfach nicht passt. Auch die Schärfe des Ringkorn ist nicht optimal. Mir wird warm und die Sonne tut, was sie kann und nicht zu wenig. Es ist einfach kein Treffer in Sicht. Nur die Ruhe. Mit viel Mühe schaffe ich noch 3 von 8 möglichen Treffern. Ein innerer Druck beschwert den Geist. Sehr bitter.
Ziel #3
Retangle2 - 485m
Das Serviceteam nimmt Arbeiten an den Zielen vor. Diese Zeit nutze ich, um mich mental zu erholen. Ich lege die Verbissenheit zu Treffen ab und konzentriere mich auf meinen Ablauf. Es geht los.
McMonkey…Go
Ein fast perfekter Ablauf, ich merke, dass ich haarscharf, links das Ziel verpassen werde. Da kommt auch schon die offizielle Meldung - „MISS“. Nicht schlimm, das stecke ich weg. Ich spüre, dass dieses Ziel vor meinen Füßen liegt.
McMonkey…Go - HIT
Konsequent arbeite ich jeden Schuss ab. Nichts bringt mich aus der Ruhe. Jeder Laut, wird von meiner inneren Stille übertönt. Ich schließe diese Distanz mit 6Treffern ab. Dies macht Mut für die rechte Seite der Range. Es warten noch drei anspruchsvolle Ziele. Ich kenne sie und ihre Tücken und ich werde sie neu kennenlernen … müssen
PURISMUS

Ziel #4
Diamant - 370m
Nach der Mittagspause, der Wechsel auf die rechte Seite. Es ist inzwischen sehr heiß, um die 30Grad und nur noch 30% Luftfeuchtigkeit. Ein Ziel das einem viel Arbeit abverlangt. Starte hochkonzentriert. Alles läuft perfekt, nur ich treffe nicht. Die Laufwärme nimmt zu. Ich blase nach jedem Schuss intensiv Atemluft über einen Blow Tube ein, damit die Schwarzpulverrückstände weich bleiben. Ich merke keine Fehlerquelle meinerseits. Kein Treffer. Der Diamant steht hinter einem Hügel. Das schränkt die Analyse des Fehlschusses für den Spotter erheblich ein. Ahhhhhh, denk nach. Ich lasse das Einblasen und wische mit einem Patch durch den Lauf. Verkrustungen, das „Fouling“ passt nicht mehr. Durch die hohe Tages- und Lauftemperatur ist das Einblasen ein sinnloses Unterfangen. Rückblickend hätte ich frühzeitiger reagieren müssen. Aufgrund der starken Fokussierung auf die Außenballistik, habe ich der Innenballistik fälschlicherweise eine zu geringe Bedeutung beigemessen. Das Ziel ist durch. Auch der letzte Schuss kein Treffer. Augenblicklich wird mir eine Last von den Schultern genommen. Es ist in Ordnung…es ist wie es ist.
Ziel 5
Octagon - 548m
Das Octagon. Ein großes Ziel, aber weit entfernt. Hier offenbaren selbst die kleinsten Fehler ihre ganze Wirkung. Auch dieses Ziel hat mich schon mal zur Verzweiflung gebracht. Die Hitze ist fast unerträglich. Das Fouling im Lauf wird immer schneller härter. Das Einblasen meines Atems zeigt – wie bei beim vorangegangenen Ziel zu sehen war – keine Wirkung mehr. Ich entscheide mich, nach jedem Schuss durchzuwischen. Nicht all zu feucht, aber in jedem Fall wischen.
McMonkey Go …
In der Gleichgültigkeit verliert die Welt ihre Schärfe. Übrig bleiben das Ringkorn, das Ziel und das vertraute Ritual. Ohne Hast, ohne Zweifel fügt sich Bewegung an Bewegung, bis …Treffer…HIT
Es ist so einfach. Das Ziel steht da, unbewegt und ehrlich. Erst der Zweifel verfehlt es, nicht der Schuss. Und so setze ich dem Ziel ein stilles Zeichen meiner Gegenwart. Sieben Treffer in Folge. Eine kleine Unachtsamkeit im Timing kostet mich ein „Full House“. Ich bin sehr zufrieden und erleichtert. Am Ende geht oft mehr, als man anfangs zu hoffen wagte.
Ziel #6
Büffel - 736m
Der Büffel und ich sind keine Freunde, aber wir nähern uns einander an. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass er noch immer in 800yard auf mich wartet.
Die Treffer am Trainingstag, versuchen Druck aufzubauen. Mir ist bewusst, dass der Büffel ein harter Gegner bleiben wird. Mit der nötigen Gelassenheit stelle ich meinen Diopter ein, wische den Lauf frei und warte auf das Kommando. Die Sonne steht tief, meine Sitzposition ist nicht ideal.
McMonkey Go …
Ich setze die ersten vier Versuche in den Sand. Stets mittig, jedoch zu hoch. Die Höhenkorrektur an der Spindel ist zu zaghaft ausgefallen. Ich entscheide mich beim fünften Versuch, den Haltepunkt - ohne Spindelkorrektur - einen Ticken tiefer zu setzen. Ein No-Go auf diese Distanz, aber ich will jetzt Treffen und vertraue auf meine Intuition. Ich nutze zusätzlich die beiden horizontalen Balken des Ringkorns und mein Gefühl. Der Schuss bricht, ich komme perfekt ab. Es sind lange 4Sekunden bis zur Rückmeldung. Schnapsidee oder … GONG! HIT - Treffer. Der Spotter meldet mir den Trefferpunkt … Genau mittig. Der Sound, wenn das 430grain schwere Reinbleigeschoss auf die Metallsilhouette trifft, ist prägend und gibt einem ein unbeschreibliches Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Ich setze hochkonzentriert noch zwei weitere Treffer und bleibe meinem Trefferbild treu. Der Streukreis … wie ein sehr großes Steak .. Büffel Steak. Den letzten Schuss setze ich wieder mittig, aber zu tief. Mit 3 Treffern bin ich zufrieden. Eigentlich sehr zufrieden. Ich kann es ja und das habe ich dem Getier auch heute gezeigt. Für mich ist die Show gelaufen …
aber ein Bericht lebt von vielen Aspekten und nicht nur von den eigenen Erfolgen oder Misserfolgen.
Ich möchte eine für mich großartige Leistung nicht unerwähnt lassen. Es sind Momente wie diese, an die ich mich gerne erinnere.
Ein Kollege aus unserer jährlichen Team-Clique, hatte bereits am Trainingstag mit hervorragenden Treffern und engen Streukreisen aufgezeigt. Es war sein Tag und das wollte er beim Match auch voll umsetzen. Da Jens - aus Deutschland - immer gleichzeitig mit meinem Buddy an der Reihe war, blieb mir - als Spotter - seine Treffergenauigkeit nicht verborgen. Keine Distanz konnte seinen Ehrgeiz zähmen. Er hatte einfach eine tollen „Lauf“.
Nun Training und Match sind nicht nur linguistisch zwei verschiedene Dinge, sondern auch nicht am selben Tag. So kann für einen „Trainingsweltmeister“ – warum denke ich gerade an mich … - ein Match zum Fiasko werden. In unserer Sparte nicht nur wegen der Tagesverfassung, sondern auch wegen wechselten Wetterverhältnissen.
Bei den Treffern im Match auf der linken Seite – 320-381 und 485 – war bereits abzusehen, dass er seine Konzentration und seine Korrekturen am Diopter voll im Griff hatte. Die Luftfeuchtigkeit sank im Laufe des Tages extrem und hier hatte er ganz klar „die Nase vorn“. Kurz vor dem Start zum letzten Ziel dem Büffel auf 736m, konnte er 26Treffer vorzeigen. Mit meinen 33Treffern 2023 führte ich die inoffizielle Wertung in unserer Clique an. Acht Schüsse lagen noch vor ihm. Acht Treffer für ein neues Bestergebnis. Er konnte es und vor allem er wollte es. Nicht wegen mir oder der Cliquenwertung. Er wollte es, weil er die letzten Jahre so sehr gekämpft hatte über die 30iger Marke zu kommen. Ein höchst persönlicher Anspruch.
Jens startet so wie er voran gegangen aufhörte.
Treffer # Treffer # Treffer # Treffer # Treffer # Treffer # MISS. Mit einer unglaublichen Leichtigkeit beim letzten Ziel, hatte er die 30iger Marke überschritten. Ein flüchtiger Augenkontakt mit mir. Er wusste, dass er nur noch eine Möglichkeit hatte um meinen Erfolg einzustellen.
OT - McMonkey: „Jens, komm gib nochmals alles. Du schaffst das“. Ein entschlossenes Nicken von seiner Seite, da kam das Kommando.
„Jens Go …“
30 Sekunden Zeit für diesen letzten Schuss. Ruhig kam seine Wange auf dem Schaft zur Ruhe.
Ein tiefer Atemzug ließ ihn ein letztes Mal aufbäumen, bevor er in die stoische Ruhe eintauchte, die ihn von allem Äußeren löste. Jens hielt auch nicht lange Inne. Er wollte es, jetzt und ohne langes Fackeln „brach der Schuss“. Endlos lange Sekunden, dann war die Angelegenheit in „trockenen Tüchern“. GONG. 33Treffer und damit mein Ergebnis eingestellt. Seine Mundwinkel reichten den Ohrenfalten die Hände. Es war ihm anzusehen, dass er diesen Moment genoss. Meine Freude über sein Ergebnis und den letzten Treffer, war überschwänglich.
Es war eine Ansage, ein sportliches Statement und er hat sich dieses Ergebnis wahrlich verdient.
BRAVO Jens. Top Leistung. Ich gratuliere zu diesem persönlichen Erfolg!
Fazit:
Trotz meiner „Blamage“ beim Diamanten, konnte ich doch 21Treffer verbuchen. Ein für mich zufrieden stellendes Ergebnis. Wenn ich den Trainingstag noch in meine persönliche Bewertung einfließen lasse, war die Trefferleistung außerordentlich gut. Ohne Trainingsmöglichkeit auf diese Distanzen fällt es schwer, konstante Leistung zu bringen. Fakt ist, ich hatte die sehr geringe Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit dem „Fouling“ im Lauf schlichtweg unterschätzt. Vor lauter Baustellen blieb für das Wesentliche - die Innenballistik - kein Raum. Dieses Thema behandle ich künftig mit entsprechender Gewichtung.
PATHOS
„Dabeisein ist alles“ - und dennoch schwingt die Hoffnung auf Erfolg immer mit. Eine hohe Trefferquote kann wie eine Bremse wirken oder zu weiteren Höhenflügen anspornen. Freud und Leid liegen dicht beisammen und wirken weit über den Moment hinaus. Der Schießsport vereinnahmt mich und zerrt an meinem Nervenkostüm. Wind, Wetter, Innen- und Außenballistik - hochkomplexe Einflussfaktoren. Ihr Zusammenspiel schafft mitunter widrige Umstände, denen nur mit langer Erfahrung beizukommen ist. Auch wenn schwierige Bedingungen mir alles abverlangen, stehe ich mir am Ende selbst im Weg.
Wenn ich in den Tunnel der Konzentration eintauche, fällt alles Überflüssige von mir ab. Zwischen mir und dem Ziel bleibt nur die Stille. Trifft der Schuss, weit draußen, dort, wo der Diopter das Auge an die Grenze des Möglichen führt, gleicht der Augenblick einer stillen Offenbarung. Ein Gefühl unbändiger, triumphaler Zufriedenheit breitet sich aus.
Es ist das Erleben purer, unverstellter Freude, die keinen Beifall sucht, sondern in der Stille ihre tiefste Resonanz findet.
Wieder ein langer Bericht. Danke für eure Ausdauer!
Und nicht vergessen … „Was man nicht tut, geschieht auch nicht“
