Wesen:
Der Revolver Alfa Para von der Brünner Fa. "Alfa Project" ist zum ausschließlichen Verschießen von Selbstladepistolenminution im Kaliber 9mm Para geeignet. Im Gegensatz zum Modell "Alfa Para Classic" verfügt er über eine verkürzte, auf die Länge der 9x19 Patrone angepasste, Trommel. Der Lauf ist in den Rahmen hinein gezogen. Die kurze Trommel soll die Präzision durch Vermeidung von Freiflug in der Trommel erhöhen. Wechseltrommeln u. dgl. gibt es nicht.
Die Trommel fasst 6 Schuss und dreht gegen den Uhrzeigersinn. Die Waffe kann mit oder ohne Clips geladen werden.
Der Abzugswiderstand ist über eine Stellschraube geringfügig verstellbar, die Kimme vertikal und horizontal über "Soft Click" Schrauben. Das Rampenkorn verfügt über einen roten Einsatz.
Die Zündung erfolgt mittels Einwirkung des Hammers auf einen Schlagbolzen auf Umweg über einen Transferbalken. Der Revolver verfügt über zwei "automatische" Sicherungen. Eine verhindert das Spannen des Hahns bzw. Abziehen im DA Modus, wenn die Trommel nicht eingerastet ist. Die andere lässt den Transferbalken nur zur Wirkung kommen, wenn der Abzug durchgezogen bleibt.
Der Revolver wird jeweils in rostfreiem Stahl oder brüniert in den Lauflängen 3, 4 oder 6 Zoll angeboten.

Erster Eindruck beim Auspacken:
Der Revolver ist massiv. Die von mir besessene 6" Version ist stark vorderlastig. Die Clips sind aus Federstahl und ausreichend robust. Die Patronen fallen unter mechanischer Einwirkung nicht aus den Clips.
Die Plastikbox ist billig gefertigt und zu groß. Revolver und Zubehör rutschen darin herum. Die Gebrauchsanweisung ist ebenfalls billig gemacht und deckt nur das Notwendigste ab. Besonders ärgerlich ist, dass bei der Explosionszeichnung in der Mitte des Heftchens der Bundsteg nicht bedruckt ist. Und somit ein Teil der Zeichnung fehlt.

Ergonomie:
Diese ist dem Waffentyp entsprechend gut. Es werden vom Hersteller verschiedene Griffe in Gummi wie Holz angeboten, die sämtliche Handgrößen und Vorlieben abdecken sollten. Die Griffe sind mit denen anderer Hersteller m. W. nicht kompatibel.

Visierung:
Die Kimme ist für sportlichen Einsatz wenig hoch, was mich aber nicht stört. Der Kimmenspalt ist sehr eng und das Korn füllt diesen eigentlich im Visierbild völlig aus, was mir ebenfalls gefällt. Kimme, Korn und Rahmenoberseite sind mit Rillen überzogen. Den roten Einsatz im Korn finde ich sehr gut. Leider ist dieser aus Plastik und musste von mir mit Klebstoff fixiert werden, damit er hält. Einsätze in anderen Farben oder überhaupt andere Visieroptionen gibt es m. W. nicht, das Visier scheint auch nicht kompatibel zu anderen Herstellern zu sein.

Abzug/Präzision:
Der SA Abzug wird der Überschrift gerecht: viel Präzision um wenig Geld. Er bricht klar bei 1,4kg mit einem minimalen, aber doch spürbaren, Abzugsweg, der mich aber nicht weiter stört. Man müsste - meiner persönlichen Meinung nach - bei einer Selbstladepistole mindestens doppelt so viel, oder sogar wesentlich mehr, Geld auslegen, um einen so guten Abzug zu bekommen. Er bricht nicht "wie Glas", aber im Schulnotensystem würde ich ihm eine 1 Minus geben.
Der DA Abzug ist leider fürchterlich und nur etwas für Kraftsportler. Sehr lang und sehr hart. Durch die Verstellschraube, welche auf die Abzugfeder wirkt, lässt sich kein merklicher Unterschied erzielen. Bevor der Hammer bricht, sind zwei merkbare Stages vorgeschaltet. Die letzte leider unmittelbar am Beginn des Abzugswegs (gefederter Stift aus der Trommelfixierung von unten, welcher in das Abzugsstück schnappt bzw. beim Abziehen aus ihm gedrückt wird), sodass man den Abzug wirklich völlig auslassen muss, um nicht einen "Short Stroke" zu produzieren. Nicht wettkampftauglich, wenn die Zeit zählt.
Die Präzision ist ausgezeichnet und liegt weit über meinem Leistungsvermögen. Der Revolver liebt leichte Geschosse mit harter Ladung wie z. B. Fiocchi TMFK Polizeimunition oder Magtech 95 grain 9D oder 9F. Jede andere Munition, wie z. B. S&B Schütte, mag er, aber er streut ein wenig, was aber in für Training völlig verkraftbarem Ausmaß bleibt. Ich habe sogar mit S&B Schütte Bewerbe geschossen und bin trotzdem genau dort gelandet, wo ich vom Können her hingehöre.

Ladebetrieb:
Wegen der speziellen Lademöglichkeiten ist dazu ein eigener Punkt gerechtfertigt.
Das Laden mit Clips geht reibungslos vonstatten. Diese werden auch verlässlich ausgestoßen, bzw. fallen immer auch unter Schwerkrafteinwirkung von selbst aus der Trommel. Das Bestücken der Clips ist unkompliziert und geht mit den Fingern. Die Patronen sitzen sehr fest und lösen sich nicht aus dem Clip. Das Entfernen der Hülsen aus dem Clip ist leider mühselig. Dazu ist der Ladestock nötig. Man darf die Hülsen nur in Richtung der Backenöffnung herausziehen und nicht hebeln. Ansonsten werden die Backen der Clips verbogen und die Patronen halten nicht mehr. Bei dieser Prozedur bekommt man schmutzige Hände, da die Clips sehr viel Schmauch aufnehmen.
Wenn man ohne Clips arbeitet, werden die Patronen wie sonst auch mit den Fingern eingeführt. Sie rutschen in die Trommel bis eine Stufe sie am Hülsenmund abfängt. Ohne Clips funktioniert das Ausstoßen nicht, weil der Ausstoßer an den randlosen Hülsen vorbeifährt. Die Patronenhülsen müssen mit den Fingern oder dem mitgelieferten Ladestock entfernt werden. Meistens fallen sie nicht von selbst heraus, da sie etwas in die Trommel geklopft sind.

Verlässlichkeit, Wartung, Langlebigkeit:
Ein Plus ist aber der hart zuschlagende Hammer. Die Härte das Abschlagens ist auf den Zündhütchen deutlich zu sehen und die Waffe produzierte bei bislang 2.500 Schuss keinen einzigen Zündversager. Trotz teilweisem Einsatz alter und billiger Munition.
Unerfreulich, was die Mechanik betrifft, war ein Mangel, der im DA Modus für ein komplettes Blockieren bei ca. jeden 30-igsten Schuss sorgte. Die Waffe wurde von Händler (der auch Generalimporteur ist) und Hersteller anstandslos umgetauscht. Es scheint, als hätte der Rückstoß die Trommelsicherung aktiviert. Beim neuen Revolver kam es zu keinen solchen Störungen mehr.
Schlecht gelöst ist Lagerung des Schlagbolzens in einer Führungshülse. Diese dreht sich unter Rückstoßeinwirkung heraus. Dies blieb mir zunächst unbemerkt und führte über eine Vergrätung, weil der Hammer auf den Hülsenmund schlug, zu einem Blockieren des Schlagbolzens. Und einer ohne Hilfe eines Büchsenmachers nicht zu behebenden Schussunfähigkeit. Eine Fixierung der Schlagbolzenführungshülse durch ein geeignetes Klebemittel erscheint angezeigt. Oder laufendes Auseinandernehmen des Revolvers und Nachziehen nach jedem Standbesuch.
Überhaupt ist die Mechanik nicht so wertig, wie ich mir das wünschen würde. Durch nicht sachgemäßes Zusammenbauen zerstörte ich einen anscheinend sehr empfindlichen gefederten Kolben, welcher Kraft auf den Transportarm ausübt. Weiters ist nach 2.500 Schuss der Transferbalken während Trockentrainings mit Pufferpatronen gebrochen. Beide Teile hat der Generalimporteur kostenlos auf dem Postweg ausgetauscht. Die Mechanik läuft wieder rund und fehlerlos.
Positiv beeindruckt dagegen die Robustheit von Rahmen und Lauf. Nach 2.500 Schuss zeigt sich keine nennenswerte Abnutzung im Bereich des Trommelspalts oder anderswo. Der Lauf ist spiegelblank. An der Mündung zeichnet sich auch noch kein "Stern" durch die Schießgase ab. Alles wirkt so, als würde es 9 Para ewig aushalten.
Ungünstig ist dagegen die starke Verschmutzung der Mechanik bei Betrieb ohne Clips. Laut Büchsenmacher ist das auf die Verwendung randloser Patronen in einem Revolver zurückzuführen. Der Betrieb ohne Clips bleibt so nur Notlösung und sollte nicht dauerhaft erfolgen. Er erscheint eher als ein Verkaufsargument des Herstellers. Bei Verwendung der Clips ist die Verschmutzung im für Revolver erwartbaren geringen Rahmen, da die Clips der Patrone quasi den Rand geben und den Schmauch von der Mechanik abhalten.
Wartung und vollständige Reinigung durch den Benutzer erfordern Vertrautheit mit dem Gerät und mehrere über den Schlitzschraubenzieher hinausgehende Utensilien. So ist z. B. eine Stecknadel nötig, um einen in der Platte gefederten Bolzen zu fixieren, damit man die Platte wieder anschrauben kann.
Apropos Platte: Die Originalschrauben der Platte lösen sich bereits nach wenigen Schuss. Sie sind aus für mich unerfindlichen Gründen wesentlich kürzer als notwendig. Ich habe sie durch längere ersetzt und während einer Trainingssession oder eines Wettkampfes kommt es seither nicht mehr zu einer Lockerung.
Wartung und Reinigung sind also einer Sportwaffe gemäß vergleichsweise aufwändig. Für die eine komplette Reinigung inkl. Auseinandernehmen und Zusammensetzen der Mechanik brauche ich ca. 20 Minuten. Schmauchreste lassen sich am besten mit Polierwatte entfernen.

Support/Ersatzteile/Zubehör:
Support und Ersatzteile wurden im vorigen Punkt bereits erschöpfend besprochen. Trotzdem möchte ich nochmals ausdrücklich auf die hervorragende Unterstützung durch den Generalimporteur, einen nicht ohne Grund beliebten Grazer Händler, hinweisen. Sicher ein Plus bei der Kaufentscheidung. Ersatzteile werden rasch zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus gäbe es für Ostöstereicher die Möglichkeit, sich im Outletshop von Alfa Project in Brünn selbst zu versorgen.
An Zubehör über die bereits erwähnten div. Griffschalen hinaus gibt es vom Hersteller lediglich passende Holster und zusätzliche Clips zu kaufen. "After-Market" Produkte sind mir nicht bekannt. Dafür ist Alfa Project quantitativ wohl zu unbedeutend.

Preis/Leistung:
Ich habe für meinen Revolver vor zwei Jahren 625 Euro bezahlt. Vereinskollegen konnten kürzlich durch Verhandeln einen noch etwas günstigeren Preis erzielen. Im Bezug auf die sehr gute Präzision und die Robustheit von Rahmen und Lauf wird ein ausgezeichnetes Preis/Leistungsverhältnis geboten. Ersatzteile wären, falls sie nicht auf Kulanz ausgetauscht werden, sehr günstig. Für zusätzliche Clips habe ich 5 Euro/Stk. bezahlt, was ich eher viel finde. Da könnte man sich im Rahmen eines Besuchs in Brünn aber wahrscheinlich wesentlich günstiger eindecken.

Fazit:
Nochmals zusammenfassend:
positiv:
+ Preis/Leistung
+ Präzision und guter SA Abzug
+ Robustheit von Lauf und Rahmen
+ Visierung
negativ:
- Wartungsaufwand
- mangelnde Robustheit des Innenlebens
- schlechter DA Abzug
- wenig geeignet für dynamischen Sport (außer man ist Kraftsportler)