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Lochschaft beim Jagdgewehr; ja oder nein

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mikonis
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Lochschaft beim Jagdgewehr; ja oder nein

Beitrag von mikonis » Do 29. Jan 2026, 14:00

Keine meiner Jagdwaffen hat einen Lochschaft. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich die lang gestreckte Form eines klassischen Schaftes als besser zu bedienend einschätze und ich sehr gut damit umgehen kann. Ich muss nichts suchen (den Griff), nichts einfädeln (den Daumen) und kann das Gewehr beim (dünnen) Schafthals aus jeder Richtung gut greifen und die Waffe damit gut bewegen.

Nachdem mir die Erfahrung fehlt, möchte ich nachfragen, welche Vorteile aus eurer Sicht ein jagdlicher Lochschaft bietet.

P.S. weiter unten wird gefragt, ob Sportwaffen für jagdliche Zwecke nutzbar sind. Na klar sind sie das, aber ich habe auch sportliche Gewehre und würde diese nicht zur Jagd verwenden. Das hohe Gewicht, die Länge, der Griff auf der Unterseite, die dicke Handauflage z.B. bei den klassischeren Berserk-Schäften machen sie mE weit schwieriger bedienbar.
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Poirot
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Re: Lochschaft beim Jagdgewehr; ja oder nein

Beitrag von Poirot » Do 29. Jan 2026, 15:59

mikonis hat geschrieben: Do 29. Jan 2026, 14:00 Keine meiner Jagdwaffen hat einen Lochschaft. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich die lang gestreckte Form eines klassischen Schaftes als besser zu bedienend einschätze und ich sehr gut damit umgehen kann. Ich muss nichts suchen (den Griff), nichts einfädeln (den Daumen) und kann das Gewehr beim (dünnen) Schafthals aus jeder Richtung gut greifen und die Waffe damit gut bewegen.
Damit hast du die Frage selbst schon beantwortet.
Jeder soll das kaufen und nutzen was ihm gefällt und mit dem er am besten zurecht kommt.

Coolhand1980
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Re: Lochschaft beim Jagdgewehr; ja oder nein

Beitrag von Coolhand1980 » Fr 30. Jan 2026, 09:33

Der Hauptgrund für die Verbreitung von Lochschäften ist die Möglichkeit, steilere Griffwinkel optisch besser in Jagdwaffen integrieren zu können. Wäre es kein Lochschaft, wäre es ein freistehender Pistolengriff. Stell dir die Schnappatmung beim Zielpublikum vor, würde ein Hersteller sowas vermarkten zu versuchen.
Der steilere Pistolengriff wiederum hat den entscheidenden Vorteil, eine entspannte Handhaltung zu ermöglichen. Man schaue sich Sport/Einsatzwaffen an, die für Höchstleistungen im Long Range Bereich gebaut wurden. Gerade Griffe, und eine Daumenauflage für den Daumen der Schusshand auf der rechten Seite. Man greift mit dem Daumen nicht mehr um den Griff, um möglichst keine Kraft mit der Abzugshand auf die Waffe zu übertragen und auch den Rückstoßimpuls geradlinig verlaufen zu lassen. Kein normaler Jäger würde so schießen. Warum nicht? Weil jemand, dessen Einsatzzweck das Treffen eines 20cm Ziels auf max 100m über sowas nicht nachdenken muss. Form follows function ist ein geradezu unwaidmännisches Konzept in unseren Breiten.
Man sieht den von mir beschriebenen Unterschied am Schönsten, wenn man die Griffe von Sportflinten mit Jagdflinten vergleicht.
Eine Waffe ist der menschlichen Ergonomie nach entworfen um das Treffen zu vereinfachen, die anderen zum hübsch sein.
Ich persönlich komme mit englischen Schäftungen oder flachen Pistolengriffen überhaupt nicht zurecht, weil sie mir das Handgelenk verdrehen. Ich würde auch auf jede Niederwildjagd mit meiner Sportflinte gehen, am Hochstand sitze ich aber deswegen auch nicht mit einer 10kg Victrix. Bei Jagdbüchsen gibt es ja zum Glück schon steilere Griffe und auch Lochschäfte.
Die Kombination Lochschaft mit Geradezugrepetierer halte ich aber auch für nicht unbedingt notwendig. Man verliert viel Zeit durch das Einfädeln des Daumens. Alternativ verwendet man die Methode, den Daumen eben nicht mehr einzufädeln, sondern rechts am Griff liegen zu lassen. Das muss man wollen und viel üben, damit es im Stress leichter geht. Für mich ist das auch sehr ungewohnt, obgleich ich versuche es zu für präzise Schüsse anzuwenden.

Evilcannibal79
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Re: Lochschaft beim Jagdgewehr; ja oder nein

Beitrag von Evilcannibal79 » Fr 30. Jan 2026, 17:55

Gut erklärt….
Ich hab bei meinen 2 Blaser auch den Lochschaft.
Hab meinen Daumen aber noch nie um den Griff herum gelegt.
Wie oben schön beschrieben liegt mein Daumen locker an der rechten Seite, möglichst entspannt immer an der gleich Stelle.
Bei meinen Sportgeräten habe ich da extra eine Daumenauflage damit meine Hand immer dieselbe Position hat.
Wenn du durch den lochschaft greifst und vor Aufregung den Griff fester anpackst verdreht sich die Waffe minimal.

Achja, repetieren geht auch um einiges schneller
"Ich hab hier 6 kleine Freunde, die alle schneller laufen als du ... "

Bamburi
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Re: Lochschaft beim Jagdgewehr; ja oder nein

Beitrag von Bamburi » Mi 4. Feb 2026, 17:20

Hallo,
da Coolhand und evilcannibal haben es eh schon sehr gut beschrieben, und ich sehe es fast genau so.

Ich habe ziemlich bald festgestellt, dass ein flacher Pistolengriff bei Büchsen für mich nicht sehr ergonomisch ist und nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann!
Gerade im jagdlichen Bereich hat man sehr oft - wie soll ich es ausdrücken - eine "suboptimale" Schussposition.
Sei es auf Kanzeln, Alu-Leitern oder am Pirschstock angestrichen. Da geht es oft weniger um den perfekten 200 oder 300m Schuss, weil da muss das Gewehr eh perfekt liegen. Herausfordernd sind oft die Schüsse auf kürzere Distanz (so 30 -70m) mit keiner optimalen Auflage.
Man steht gebückt in der Kanzel weil da Bock genau rechts unten ausgezogen ist und nicht weit vom Waldrand wegzieht, die Waffe liegt nur am Vorderschaft auf und hinten ist man mit dem Ellbogen wo angelehnt. Da macht es dann sehr wohl einen Unterschied ob ich die Waffe verkrampft um den flachen Pistolengriff greifen muss oder sie entspannt am steilen Pistolengriff durch den Lochschaft greifen kann und kompakt in die Schulter ziehe. - In Situation 1 blieb der Finger oft lang weil ich keinen sicheren Schuss abgeben konnte. Mit Loch Schaft geht auch nicht alles - aber definitiv mehr.

Wenn man sich jetzt anschaut wie "Einsatzwaffen" beim Heer oder der Polizei aussehen hat das schon einen Grund warum die alle einen freistehenden oder sehr steilen Pistolengriff haben. Wie schon erwähnt ist der Loch Schaft die "jagdliche Interpretation" davon.

Zusammenfassend kann man sagen, im Sitzen, perfekt aufgelegt ist es ziemlich egal ob Loch Schaft oder flacher Pistolengriff. Aber in unterschiedlichen Positionen, stehend Angestrichen, knieend am Stein aufgelegt, liegend mit Zweibein, da spielt der Lochschaft und auch die einstellbare Schaftbacke ihre Stärken richtig aus. Die Schusshand ist immer sehr entspannt und das fördert die Präzision.

Zu den Nachteilen:
Ich muss nichts suchen (den Griff), nichts einfädeln (den Daumen) und kann das Gewehr beim (dünnen) Schafthals aus jeder Richtung gut greifen und die Waffe damit gut bewegen.
Das kann ich so nicht bestätigen, ich muss auch nichts suchen (der steile Pistolengriff ist auch dort wo der flache ist und wo er immer ist...) und habe auch keine Probleme beim oft genannten "einfädeln". Ganz ehrlich, wenn ich meinen Daumen mit 2x2,5cm in das Loch bei der Blaser mit 4x8cm (- ja ich hab's grad gemessen :lol: ) "einfädeln" muss dann habe ich eh ein größeres Problem (oder ich muss mir den Most zur Jause etwas mehr spritzen....)
Dass ich bei ganz schnellen Schlussfolgen vielleicht ein paar 1/10 tel Sekunden verliere mag sein. Das ist aber eher eine generelle Übungssache und nicht so relevant glaube ich. Das wird meiner Meinung nach durch den kompakten Anschlag, Geradezug und daraus resultierenden schnelleren Zielwiederaufnahme kompensiert. Da spielt neben der Übung vermutlich das Kaliber und dessen Rückstoß eine größere Rolle für schnelle, gezielte Schlussfolgen.

Für mich Überwiegen da die Vorteile bei weitem.

Grüße und WmH!

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