Neuer "Psychotest" ab 2026, erste Mutmassungen und Publikationen
Verfasst: Mo 12. Jan 2026, 20:51
Nachdem in den letzten Wochen viele Gerüchte zur Neuausrichtung des "Psychotest" durch die Branche gezogen sind liegen nun auch fundierte Fachmeinungen von Experten zu den diversen Möglichkeiten vor und es gibt erste Publikationen durch klinische Psychologen.
Eine aktuelle Publikation welche mir vorliegt ist auch deshalb interessant weil sie einige recht interessante Zahlen und Thesen enthält.
Zitiert wird zu Beginn aus einer Expertise aus 2022:
Anhand der deskriptiv- und inferenzstatistischen Analyse von 100 waffenpsychologischen Gutachten wird demonstriert, dass die direkte Einflussnahme der 1. Waffengesetz-Durchführungsverordnung (1. WaffV) in die Auswahlmöglichkeiten der anzuwendenden klinisch-psychologischen Testverfahren bei der Begutachtung der Stufe 1 in Österreich systematische Fehler schafft. Zudem bringt sie Begutachtende in einen Konflikt mit anderen beruflichen Regulativen, die bei der Ausübung der klinisch-psychologischen Tätigkeit qualitative Standards definieren und eine Tätigkeit gemäß ,State of the Art' fordern.
Quelle: Kampusch, Systemfehler in der waffenpsychologischen Begutachtung der Phase 1 durch die 1. Waffengesetz-Durchführungsverordnung, SV 2022, S 207;
Und weiter (Teilzitat):
Durch die 1. WaffV entstehen eine Reihe von diagnostischen und testtheoretischen Problemen, die im extremen Widerspruch zu einer State-of-The-Art-Diagnostik stehen. Durch die fehlende Definition des Terminus „Verlässlichkeit" und der Limitierung der Testverfahren bei gleichzeitiger vorgegebenen Clusterung zu möglichen Testbatterien ergeben sich absurde Kombinationen ohne Aussage oder einander diametral widersprechende Konstrukte von Verlässlichkeit.
Quelle: Giacomuzzi/M. Ertl, Psychologie in Österreich 2024, 336 ff.
Auf gut deutsch:
Wenn der Gesetzgeber hätte wissen wollen ob der bisherige "Psychotest" überhaupt valide Ergebnisse bringen kann dann hätte er nur mal die klinischen Psychologen selber fragen müssen, da hätte man nicht auf Graz warten müssen ...
Die Publikation beschäftigt sich zu meiner Überraschung aber auch mit den Basisraten.
Es werden die Anzahl der Waffenbesitzer (oder -Träger) mit der Anzahl der verübten Morde verglichen und es ergibt sich dabei folgendes Bild:
Bei der Polizei (32.000 Personen) werden zirka 0,003 %,
beim Militär (14.000 Personen) zirka 0,006 %,
bei den Jägern (132.000 Personen) zirka 0,0008 % und
bei Waffenbesitzkartenhaltern (220.000Personen) zirka 0,0009 %
der jeweiligen Population zu Mördern mit ihren legalen Waffen.
Gerade jene Personengruppe welche von allen am wenigsten in Erscheinung tritt ist die Einzige, welche in Zukunft mit einem neuen umfassenden Test reglementiert werden soll.
In Giacomuzzi/M. Ertl, Psychologie in Österreich 2024, 336 ff findet man die sinngemässe Ausage:
"Ohne eine Korrektur der bereits geschilderten fachlichen Fehlannahmen läuft jedoch jegliche Verschärfung der
Verlässlichkeitsüberprüfung Gefahr, diese bis dato praktizierte unwissenschaftliche und veraltete Vorgehensweise
zu prolongieren. „Eine Verschärfung der Verlässlichkeitsüberprüfung mit den zurzeit geltenden Untersuchungsrichtlinien und generellem UnVerständnis der Materie durch die Entscheidungsträger läuft Gefahr, wiederum Fehler in der Vorgehensweise für Jahrzehnte hinweg fortzusetzen, ohne dass vorher schon existierende fachliche Fehlannahmen korrigiert worden wären."
Insoweit ist die Expertenmeinung über die bisherigen "Psychotests" ja eindeutig.
Interessant ist was nun daraus aber als Konsequenz abgeleitet wird.
Da alle Arten von klinischen Persönlichkeitsuntersuchungen vom Probanden mehr oder weniger manipulierbar sind scheint es nun offenbar in Richtung Leistungstests in Kombination mit Persönlichkeitstests zu gehen.
Bei den Leistungstest scheint die These dahinter, dass jemand der sehr intelligent ist, jemand der eine gute Auffassungsgabe hat und ein guter strategischer Denker ist bzw jemand der gut und schnell gelesenes (!) verstehen kann, auch ein sicherer Waffenbesitzer ist. In wie weit hier kognitive Einschränkungen im Alter berücksichtigt werden sollen scheint unklar.
Die Persönlichkeitstest sollen - wenn auch unvermeidlich manipulierbar - ergänzend die jeweilige Risikobereitschaft, die Einstellung zum Alkoholkonsum, Empathie und Einfühlungsvermögen in andere Personen und andere Persönlichkeitsmerkmale bewertbar machen.
Der neuen Test würden nach den Annahmen in dieser Fachpublikation rund 90 Minuten dauern.
Die Kosten für den neuen "Psychotest" werden - das wurde bereits bekannt gegeben - im Vergleich zum bisherigen "alten" Test deutlich steigen.
Ob er das Wert sein wird ist fraglich, vor allem wenn der Schlusssatz der unabhängigen Experten, die mutmasslich schon ungefähre Kenntnis davon haben was im Q2/2026 wirklich als neuer Test eingesetzt werden wird, lautet:
"Die vorgeschlagene klinisch-psychologische Testbatterie kann keine Prognose für ein spezifisches Verhalten treffen. Die Fragestellung des gegenwärtigen WaffG, ob die untersuchte Person „voraussichtlich sachgemäß mit Waffen umgehen wird" (§ 8 Abs 1 bis 3 WaffG), ist nicht - und war nie - mit klinisch-psychologischen Verfahren zu beantworten.
Wenn man sich die somit gewaltig steigenden Kosten für den Erwerb einer Waffenbesitzkarten ansieht, welche den Schusswaffenbesitz zu einem Privileg der vermögenden, meist älteren Personen in einer gehobenen Einkommensschichte machen werden, und die kognitiven Leistungstests damit kombiniert welche mutmasslich die ältere Personenschichte diskriminieren wird, dann ist leicht erkennbar dass die Schnittmenge wohl nicht gegen Null gehen wird, aber nur mehr ein Bruchteil der bisher am Schiesssport interressierten sich in Zukunft (und wegen des angehobenen Mindestalters erst vier Jahre später als bisher) zum Erwerb einer WBK wird durchringen können.
Eine aktuelle Publikation welche mir vorliegt ist auch deshalb interessant weil sie einige recht interessante Zahlen und Thesen enthält.
Zitiert wird zu Beginn aus einer Expertise aus 2022:
Anhand der deskriptiv- und inferenzstatistischen Analyse von 100 waffenpsychologischen Gutachten wird demonstriert, dass die direkte Einflussnahme der 1. Waffengesetz-Durchführungsverordnung (1. WaffV) in die Auswahlmöglichkeiten der anzuwendenden klinisch-psychologischen Testverfahren bei der Begutachtung der Stufe 1 in Österreich systematische Fehler schafft. Zudem bringt sie Begutachtende in einen Konflikt mit anderen beruflichen Regulativen, die bei der Ausübung der klinisch-psychologischen Tätigkeit qualitative Standards definieren und eine Tätigkeit gemäß ,State of the Art' fordern.
Quelle: Kampusch, Systemfehler in der waffenpsychologischen Begutachtung der Phase 1 durch die 1. Waffengesetz-Durchführungsverordnung, SV 2022, S 207;
Und weiter (Teilzitat):
Durch die 1. WaffV entstehen eine Reihe von diagnostischen und testtheoretischen Problemen, die im extremen Widerspruch zu einer State-of-The-Art-Diagnostik stehen. Durch die fehlende Definition des Terminus „Verlässlichkeit" und der Limitierung der Testverfahren bei gleichzeitiger vorgegebenen Clusterung zu möglichen Testbatterien ergeben sich absurde Kombinationen ohne Aussage oder einander diametral widersprechende Konstrukte von Verlässlichkeit.
Quelle: Giacomuzzi/M. Ertl, Psychologie in Österreich 2024, 336 ff.
Auf gut deutsch:
Wenn der Gesetzgeber hätte wissen wollen ob der bisherige "Psychotest" überhaupt valide Ergebnisse bringen kann dann hätte er nur mal die klinischen Psychologen selber fragen müssen, da hätte man nicht auf Graz warten müssen ...
Die Publikation beschäftigt sich zu meiner Überraschung aber auch mit den Basisraten.
Es werden die Anzahl der Waffenbesitzer (oder -Träger) mit der Anzahl der verübten Morde verglichen und es ergibt sich dabei folgendes Bild:
Bei der Polizei (32.000 Personen) werden zirka 0,003 %,
beim Militär (14.000 Personen) zirka 0,006 %,
bei den Jägern (132.000 Personen) zirka 0,0008 % und
bei Waffenbesitzkartenhaltern (220.000Personen) zirka 0,0009 %
der jeweiligen Population zu Mördern mit ihren legalen Waffen.
Gerade jene Personengruppe welche von allen am wenigsten in Erscheinung tritt ist die Einzige, welche in Zukunft mit einem neuen umfassenden Test reglementiert werden soll.
In Giacomuzzi/M. Ertl, Psychologie in Österreich 2024, 336 ff findet man die sinngemässe Ausage:
"Ohne eine Korrektur der bereits geschilderten fachlichen Fehlannahmen läuft jedoch jegliche Verschärfung der
Verlässlichkeitsüberprüfung Gefahr, diese bis dato praktizierte unwissenschaftliche und veraltete Vorgehensweise
zu prolongieren. „Eine Verschärfung der Verlässlichkeitsüberprüfung mit den zurzeit geltenden Untersuchungsrichtlinien und generellem UnVerständnis der Materie durch die Entscheidungsträger läuft Gefahr, wiederum Fehler in der Vorgehensweise für Jahrzehnte hinweg fortzusetzen, ohne dass vorher schon existierende fachliche Fehlannahmen korrigiert worden wären."
Insoweit ist die Expertenmeinung über die bisherigen "Psychotests" ja eindeutig.
Interessant ist was nun daraus aber als Konsequenz abgeleitet wird.
Da alle Arten von klinischen Persönlichkeitsuntersuchungen vom Probanden mehr oder weniger manipulierbar sind scheint es nun offenbar in Richtung Leistungstests in Kombination mit Persönlichkeitstests zu gehen.
Bei den Leistungstest scheint die These dahinter, dass jemand der sehr intelligent ist, jemand der eine gute Auffassungsgabe hat und ein guter strategischer Denker ist bzw jemand der gut und schnell gelesenes (!) verstehen kann, auch ein sicherer Waffenbesitzer ist. In wie weit hier kognitive Einschränkungen im Alter berücksichtigt werden sollen scheint unklar.
Die Persönlichkeitstest sollen - wenn auch unvermeidlich manipulierbar - ergänzend die jeweilige Risikobereitschaft, die Einstellung zum Alkoholkonsum, Empathie und Einfühlungsvermögen in andere Personen und andere Persönlichkeitsmerkmale bewertbar machen.
Der neuen Test würden nach den Annahmen in dieser Fachpublikation rund 90 Minuten dauern.
Die Kosten für den neuen "Psychotest" werden - das wurde bereits bekannt gegeben - im Vergleich zum bisherigen "alten" Test deutlich steigen.
Ob er das Wert sein wird ist fraglich, vor allem wenn der Schlusssatz der unabhängigen Experten, die mutmasslich schon ungefähre Kenntnis davon haben was im Q2/2026 wirklich als neuer Test eingesetzt werden wird, lautet:
"Die vorgeschlagene klinisch-psychologische Testbatterie kann keine Prognose für ein spezifisches Verhalten treffen. Die Fragestellung des gegenwärtigen WaffG, ob die untersuchte Person „voraussichtlich sachgemäß mit Waffen umgehen wird" (§ 8 Abs 1 bis 3 WaffG), ist nicht - und war nie - mit klinisch-psychologischen Verfahren zu beantworten.
Wenn man sich die somit gewaltig steigenden Kosten für den Erwerb einer Waffenbesitzkarten ansieht, welche den Schusswaffenbesitz zu einem Privileg der vermögenden, meist älteren Personen in einer gehobenen Einkommensschichte machen werden, und die kognitiven Leistungstests damit kombiniert welche mutmasslich die ältere Personenschichte diskriminieren wird, dann ist leicht erkennbar dass die Schnittmenge wohl nicht gegen Null gehen wird, aber nur mehr ein Bruchteil der bisher am Schiesssport interressierten sich in Zukunft (und wegen des angehobenen Mindestalters erst vier Jahre später als bisher) zum Erwerb einer WBK wird durchringen können.